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In der Finsterniß der Truhe bewahrte auch lieb Mütterlein mancheKostbarkeiten auf, die keinen andern Zweck hatten, als daß sie immerliegen blieben, und die wir gelegentlich zu sehen bekamen, wenn sie einmaletwas Seltenes suchen ging, und wir die Köpft mit in die Truhe steckten.Da war eine Schnur angefaßter rasselnder silberner Gupftnöpfe, einenBündel Schnallen, langstielige Löffel, eine große silberne Schale, vonder sic sagten, daß der Doctor das Blut der vornehmen Lcnte in dieselbegelassen habe, — dann waren zwei hörnerne Adlerschnäbel, einige Bün-del von Goldbordcn, und anderes, was in der Dunkelheit so gcheimniß-voll leuchtete, und worin wir nie kramen durften, weil die Mutter beisolchen Gelegenheiten stets nicht Zeit hatte, sondern znspcrrcn und fortgehen mußte. Zuweilen aber, wenn die obere Stube, wo die Gastbettenstanden und die Festkleider hingen, einmal gelüftet und abgcstäubt wurde,und die Mutter eben bei Laune war, zeigte sic wohl gerne etwa einerNachbarin und auch uns Kindern, die immer dabei standen, manchesvon der Ahnentafel bürgerlicher Häuser, die ich so liebe, der Truhe derBrautkleider. Wie Reliquien Pflegte man sonst derlei Kleider aufzubc-wahren und bei Gelegenheiten vvrzuzetgcn; aber diese Ehrfurcht nahmin den Zeiten ab, und endlich kam der schwarze Frack, in dem wir zurTrauung, zum Besuche, zum Spaziergange gehen — was soll daher anihm sein, das der Aufbewahrung würdig wäre? Wenn Mütterlcin nundie steifen eckigen Dinge herauszog und in der Sonne spielen ließ, dastanden wir dabei und staunten die verschossene Pracht an. Da kamensammetne, seidene, goldstarrcnde Dinge zum Vorschein, die da rauschtenund knisterten und unbekannt waren. Bom Doctor ist noch der ganzeveilchenblaue Sammetanzug übrig, mit den vielen Schleifen und untenGoldblümchen, dann mit den Baudschuhen, und schwarzem Barett. Dasaschgraue Seidengewand seiner Braut hatte hinten einen Zipfel als Schleppehinaus, cs war ein goldener Saum da, und aus dem Innern lauschtedas schwefelgelbe seidene Unterfntter. Insonderheit war auch der Rockder Großmutter, der meßgewandstoffig und »»biegsam war, mit denvielen Falten und großen Seidenblumen. Des Vaters langer röthlicherBrautrock, in dem ich ihn oft an Dster- und Psinzsttagcn zur Kirchegehen sah, hatte schon das Schicksal, daß er zerschnitten wurde; dennals der Vater todt war, und ich in die Abtei studieren ging, da wurdefür mich ein neues Röcklein daraus gefertigt, in welcher Gestalt er aber