Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
330
Einzelbild herunterladen
 

330

oberen Anspaches bretterne Hütten aufgeschlagen worden, aus denen amganzen Tage und einen Theil der Nacht hindurch Zechen und Jubeln ver-nommen wurde.

Der Tag verging ohne besonderes Ereigniß, außer daß die Ober-planer in Angst und Besorgnis' waren, dein Küchen- und Kellermeisteralles Erforderliche auszuliefern, und cs den hohe» Herrschaften recht zuDanke zu machen.

Am nächsten Tage war bloß die Jagdmessc. Das Kirchlein zum gu-ten Wasser war mit Menschen angefüllt. In den Stühlen, zu denen mannoch vorne mehrere mit Tuch ausgeschlagcnc gefügt hatte, saßen die Her-ren und Frauen. Weiter rückwärts befanden sich die Bewohner der Ge-gend und Alle, die von Ferne herbei gekommen waren. Sie sangen zuden Tönen der Orgel daß schöne Maricnlied, das man einst eigens fürdiese Kirche gedichtet hatte, und das sie Alle kannten. Am Nachmittagebegaben sich die Herren nach Vordcrstist, um im Jägcrhause zu über-nachten, und dein Jagdschauplatzc näher zu sein.

Am Tage, der nun folgte, sollte das große Nctzjagen sein.

Die Bewohner der Gegend waren äußerst begierig darauf.

Schon vor Anbruch des Taglichtes gingen die Gruppen auf verschie-denen Wegen und in gedämpften Gesprächen dem Stcgwalde zu. Sicergötzten sich schon in Bornhinein an den Dingen, die kommen sollten.Das Wild, hieß cs, sei schon alles in dem Netzraumc cingeschlosscn. Essollen Hirsche dabei sein, Hasen, Rehe, auch Dachse, Füchse, Marder undvieles dergleichen, ein Luchs soll zugegen sein und manches seltene Thier.Ob ein Bär eingcgangen sei, wisse man nicht genau, aber gewiß sei aucheiner darunter. Die ganze Sache sei sehr künstlich. Der Jagdraum, inwelchem sich Gesträuche, hohe Bäume, Steine und selbst Klüfte befinden,sei in einem großen Kreise von den stärksten Stricknetzen umfangen, die ineisernen Ringen an gehauenen Bäumen befestiget wären. Innerhalb derNetze seien Tücher gespannt, daß Alles hübscher aussähe. Außerhalb der-selben befänden sich die Schießstände der Herren, und gleich hinter denenseien die Bühnen für die Zuschauer; denn die Herren hätten es selbergerne, wen» viele Zuschauer kämen und ihre Kunst bewunderten. Umdie Thicre in den Raum zu bringen, seien Wege angelegt worden, näm-lich Räume, an welchen zu beiden Seiten Netze empor gespannt wären;diese Räume wären zuerst sehr weit, würden immer enger und mündeten