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Veilchen; denn der Berg war bekannt, daß auf ihm die ersten dieserBlümchen wachsen, weil sie in dem kurzen Grase unter dem schützendenGesiechte des Wachholdcrs einen sichern Stand haben, und die mittäg-liche Sonne auf dem Abhange des Berges leicht auf sie scheinen kann.Dann suchten sie auch Stcinchen und andere Dinge, und kamen bis zudem rothen Kreuze empor. Bon dem Kreuze gingen sie zu den Brunnen-Häuschen hinab. Sie schöpften sich Wasser und benetzten sich die Lippen,die Stirne und die Augenlider. Als der Abend erschienen war, gingenmanche, bei denen sich ihre Eltern befanden, nach Hause; andere aber,die allein waren, blieben noch; denn die Kinder haben keine Rechnungder Zeit und geben sich dem Augenblicke unbedingt hin. Einige Mädchen,worunter auch Hanna war, gingen gar gegen die Felsen der Milchbäucrinzu, und setzten sich dort auf die Steine. Es hatte den ganzen Tag dieSonne ans die Felsen geschienen, daß sich die Wärme in ihnen ansam-meln und länger nachhaltcn konnte, als an irgend einer ander» Stelledes Berges. Die Pflänzchen schauten aus den bebauten Pflanzbectenam Fuße der Felsen schon heraus, über der Gegend war ein leichter grü-ner Hauch, und die Kinder erkannten recht gut diese Verheißung. Sieblieben sitzen, manches der Mädchen nahm die Hand seiner Nachbarin,legte sie an den Stein und sagte: „Siehe nur, wie warm er ist."
Ais die Sonne schon hinter dem Rande des Waldes hinab gegangenwar, fragte eines der Mädchen ei» anderes: „Um was hast Du dennheute die heilige Jungfrau gebeten, Elisabeth? "
„Ich habe sie um ein langes Leben und um eine gute Aufführunggebeten," antwortete die Gefragte.
„Und um was hast denn Du gebeten, Veronika?"
„Ich habe auch um einen guten Lebenswandel gebeten," sagte diese.
„Und Du, Agnes?"
„Ich habe um gar nichts gebeten."
„Und Du, Cäciiia?"
„Ich auch nicht, mir ist nichts eingefallen."
„Und Du, Hanna?"
„Ich werde etwas sehr Schönes und sehr Ausgezeichnetes bekom-men," sagte diese, „denn als ich zu der heiligen Jungfrau recht inbrünstigbetete, und das feste seidene Kleid sah, das sic anhat, und die goldenenFlimmer, die in feinen Fäden am Saume des Kleides hängen, und die