setzen fort, die uns in tiefen Fernen liegen, sie nimmt keine Rücksicht, siesteigt nicht zu uns herab, nm unsere Schwächen zu theilen, und wir kön-nen nur stehen und bewundern/'-
Auch von Rikar erzählte mir Alfred einiges. Er achtete ihn sehrhoch, weil er, wie er sagt, in seiner Einfachheit so tief ist. Er hat außerden zwei Mädchen auch einen Sohn gehabt, von dem er aber nie eineErwähnung gethan hatte. Als der Jüngling sein zwanzigstes Jahr be-gann , wurde er ihm durch eine schwere Krankheit, die ihn in der Fremdebefiel, und in der ihn Rikar, der zu ihm geeilt war, Pflegte, entrissen.Er mußte einen großen Schmerz empfunden haben, er sagte nichts davon,aber er trug das schwarze Kleid seit jenem Tage, und trägt es heute noch.
Als wir unser Mittagmahl unter den Kastanien verzehrt hatten, be-gleitete mich Alfred auf einem großen Umwege durch das Gebirg, welchenUmweg er mich geführt hatte, damit ich auch diese Thcile der Gebirgekennen lernte. Als die Sonne sich schon gegen Untergang neigte, als nurauf dem Kamme der Gebirge standen, zeigte er mir die Richtung, nachwelcher ich in Rikar's Haus gelangen würde, und wir trennten uns. Erging thalwärts, ich aber wandelte auf der Schneide so mancher Gesteinedahin, bis ich spät in der Besitzung meines Gastfrcundes ankam.
In den nächsten Tagen, die ich noch in dem Hause zubrachte,glaubte ich eine sonderbare Bemerkung zu machen. Camilla trug eineNeigung zu Alfred im Herzen. Die Zeichen waren leise, ihr selber viel-leicht unbewußt, aber ich glaubte sie doch deutlich zu erkennen.
Wenn er da war, sprach sic viel weniger, als sonst. Sie saß da undhorchte aufmerksam zu, wenn er erzählte. Wenn wir spazieren gingen,wandelte sie sanft gesenkten Hauptes meistens vor ihm, und achtete derWorte, die von seine» Lippen kamen. Wenn er abwesend war, sprach sieam liebsten von den Ländern, in denen er gewesen, und von denen er ebenzurückgekehrt war. Ich habe sie allein in dem Garten lustwandeln ge-sehen, ihre Wangen waren zart gefärbt, in den Mienen war etwas Ge-hobenes, und die schönen Augen, in welchen ohnedem eine solche Schwer-mut!) lag, waren gegen die Ferne gerichtet, so daß cs aussah, als befändesich dort etwas, oder als suchte sie dort etwas. Oder sie stand auch zu-weilen an dem Springbrunnen, dessen Strahl Maria so gerne im Gangeerhielt, und woran sie sich ergötzte, und sah aus das Silber der empor-steigenden Säule, und sah viel länger darauf hin, als es die bloße Be-