etwas regnerisch war, oder wenn Einem ein Verdruß in dem Hauptespukte, an der Thur des Nachbars pachten; wenn er zu Hause war, ein-traten, ein Stündchen verplauderten, und nicht selten den Verdruß ver-loren, weil man ihn erzählen und sich recht weidlich darüber aussprechcnkonnte. Zuweilen gingen wir dann auch an irgend einen Vcrgnügungs-ort, wohin der Einzelne, wenn er nicht aufgefordert worden wäre, gewißnicht gegangen wäre.
So lebten wir drei Wochen neben einander, und lächerlich war cs,daß wir beide immer im schwarzen Fracke gingen, natürlich, weil er im-mer bei Rechtsmännern, ich aber bei Beschützern aufwartcn mußte. Ernannte mich daher einmal, da ich wieder ganz schwarz zum Speisen nachHanse kam, Paganini den Dritten. Es war dies der einzige Scherz, denich den Mann, der eher immer trübsinnig war, sagen hörte.
Einmal war wieder recht schlechtes Wetter. Es war kein tüchtigerRegen, der alles rauschen und strömen macht, und daher doch wiederfröhlich ist, sondern cs war das Wetter, das mir schier unter allen daswiderwärtigste ist; ein dicker unbeweglicher Nebel, der sich wie Fließ-papier an die Fenster legt, der oben am Himmel Sonne, Mond, und alleThurm- und Häuserspitzen wegfrißt, und unten auf Erden alle Dingenaß, schmutzig und tropfend macht. Zum Uebcrflusse war noch Sonn-tag, an dem wir beide keine Geschäfte hatten. Wir saßen stochernd undin den Zeitungen blätternd herum. Da gerieth ich auf einen Einfall undlegte ihn meinem Nachbar vor. Wir sollten nämlich in eins der Theatergehen, ohne eher, als wir uns in dem Hause befänden, zu wissen, inwelches, und ohne das Stück zu kennen, das aufgcführt würde; denndie Zettel, die gewöhnlich auf einem Tischlein im Speisezimmer lagen,hatten wir vorher keiner angeschaut. Ihm war cs recht und ich schrittaws Werk. Ich ließ einen Lohndicner rufen, riß aus einem weißenBlatte Papier fünf Stücke, schrieb auf jedes den Namen eines der fünfTheater Wiens, rollte sie zusammen, und befahl dem Diener, eins zuziehen. In das Theater, dessen Namen er auf seinem Zettel finden würde,sagte ich, solle er uns Karten zu Sperrsitzen holen, und die Karten inPapier gewickelt bringen. Unterwegs möge er uns einen Wagen bestel-len , dein er das Theater nenne, daß er uns um halb sieben Uhr dahinfahre. Mein Nachbar ließ alles willig geschehen, und der Diener gingfort. Als er wieder gekommen war und uns die in Papier gewickelten