Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
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auch gesehen werden. So machte er cs jeden Tag, und er ging gewissen-haft dorthin, wo cs der Zwcck erheischte. Um die von dem Arzte vor-geschriebene Bewegung mittelst Gehen zu machen, hatte er sich eineeigene Art ausgesonnen. Er fuhr nämlich mit seinen Grauschimmelnauf der Straße, die tiefer in das Gebirge führt, eine Strecke fort, bis erzu eiuem gewisse» großen Steine kam, den er gleich am ersten Tage ent-deckt hatte. Neben dem Steine war eine ziemlich große trockene Erdstelle,die aus fest gelagertem Sande bestand. An dieser Stelle stieg er aus,und ging nach der Uhr so lange hin und her, als die zur Bewegung fest-gesetzte Zeit dauerte, dann saß er wieder ein und fuhr nach Hause. DieLeute, die im Bade versammelt waren, lernten ihn bald kennen und sag-ten , das sei der Herr, der neulich in dem geschlossenen Wagen gekom-men sei.

Die Badezeit war eigentlich schon ziemlich vorgerückt, aber da indiesen Gebirgsthälern die letzten Sommermonate die heißesten undtrockensten sind, so war noch ein großer glänzender und auserlesener Be-such zugegen. Darunter waren manche sehr schöne Mädchen. Herr Ti-bucius, welcher nicht umhin konnte, doch manchmal eine zu sehen, erin-nerte sich flüchtig an die Heicathsworte des Dvctors — aber er dachteder Doctor sei ein Schalk, und verlegte sich hier nur auf das, was seinerGesundheit unmittelbar noth that. Er las allgemach von dem Büchcr-hügel ein großes Stück herunter, er verrichtete genau alles, was ihm derBadearzt vorgeschriebe» hatte, und that noch manches andere dazu, waser selber aus den Büchern lernte und sich verordnete. Er hatte sich auchan seinem Fensterstocke ein Fernrohr augeschraubt, und betrachtete durchselbes öfter die närrischen Berge, die hier herum standen, und die dasGestein in höchster Höhe oben trugen.

Es war seltsam, daß auch hier in dieser großen Entfernung, undzwar schon in sehr kurzer Zeit, nachdem Herr Tiburius angekommcn war,der Name Tiburius im Munde der Leute gebräuchlich war, obwohl indem Frcmdeubuche der Name Theodor Kneigt stand, und obwohl ihnNiemand kannte. Es mochten,ihn wohl insgeheim seine Diener so ge-nannt habe».

Es waren allerlei Menschen und Familien in dem Bade. Da warein alter hinkender Graf, der überall gesehen wurde, und in dessen ver-wittertes Angesicht fast ein Schimmer von der sehr großen Schönheit sti-ll'