Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
116
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steht. Oder er schwieg und dachte sich innerlich allerlei zusammen,das Niemand wissen konnte, eben weil er cs Niemanden sagte. Er haßtealle Wissenschaft und alles Lernen, und konnte nur dazu gebracht wer-den, wenn der Hofmeister einen langen und bündigen Beweis über denNutze» und die Vortrefflichkeit der Wissenschaften herbei fühlte, der denKnaben quälte. Wenn dieser dann nach fleißigen Tagen alles auf einmalhcrsagen wollte, wurden Dämme und Vorschläge aufgcbaut, und nurder dünne Wasscrfaden der Hauptsache heraus gelassen. Da der Hof-meister wegen seiner Tacitus'schen Forderung kein Weib bekommen hatte,so blieb er recht lange in dem Hanse.

Zum Vierten und Letzten war der Oheim. Derselbe war ei» reicher,unvcrhcirathetcr Kaufmann in der Stadt; denn Vater und Mutter desKnaben lebten außerhalb derselben auf einem Gute. Obwohl nun dieEltern des Knaben selber reich genug waren, so war doch noch die Erb-schaft des Oheims für denselben zu erwarten, und der Hagestolz hattedies selber oft genug durch seine ausdrücklichen Erklärungen bestätigt. Ernahm sich daher die Befugniß heraus, mit an dem Knaben zu erziehen.Er schrie ihm Praktisches zu, und erklärte ihm deutlich, wenn er zu seinerSchwester auf das Landgut herauskam, wie man cs bei dem Baumklet-tcrn, was aber der Knabe nie that, machen müsse, daß man die wenig-sten Hosen zerreiße.

Ehe ich in der Geschichte weiter gehe, muß ich auch sagen, daß meinFreund unglücklicher Weise gar nicht Tiburius hieß. Er hatte den Vor-namen Theodor; aber er mochte, als er herangewachsen war, noch sogroß unter seine schriftlichen Aufgaben setzen:Theodor Kneigt," ermochte, als er später gar reiste, in die Fremdenbücher schreiben:Theo-dor Kneigt," cs mochte auf allen Briefen, die au ihn kamen, stehen:Anden hochwohlgcbornen Herrn Theodor Kneigt,"- cs half alles nichts ;Jedermann nannte ihn in der Rede nurTiburius" und die meistenFremden, die sich in der Stadt aufhielten, meinten nach und nach , dasschöne Landhaus, das an der Nordstraße liege, gehöre dem Vater desHerrn Tiburius Kneigt. Der Name klingt so wirblicht und steht in kei-nem Kalender. Die Sache kam aber so : weil der Knabe öfter so sinnendund grübelnd war, so geschah cs, daß er in der Zerstreuung Dinge that,die lächerlich waren. Wenn er nun, um etwas von dem hohen Kleider-kasten herab zu holen, seine Kindcrtrommel als Schemel hinstellte