^ch habe einen Freund, der, obwohl er noch am Leben ist, und bei unsvon lebenden Leuten nicht leicht Geschichten erzählt zu werden pflegen,mir doch erlaubt hat, eine Begebenheit, die sich mit ihm zugetragen hat,zum Sinken und zum Frommen aller derer zu erzähle», die große Narrensind; vielleicht schöpfe» sic einen ähnlichen Vortheil daraus, wie er.
Mein Freund, den wir Tiburius Kneigt hieße», hat jetzt das nied-lichste Landhaus, das man sich in unserem Welttheile zu denken Vermag,er hat die vortrefflichsten Blumen und Obstbäume um das Haus herum,er hat ein schöneres Weib, als je auf der Erde gewesen sein kan», er lebtJahr aus Jahr ein mit diesem Weibe auf seinem Laudhause, er trägtheitere Mienen, alle Menschen lieben ihn, und er ist jetzt wieder sechsund zwanzig Jahre alt, da er doch »och vor Kurzem über vierzig ge-wesen ist.
Das alles ist mein Freund durch nichts Mchrcrcs und nichts Min-deres geworden, als durch einen einfachen Waldsteig; denn Herr Tibn-rius war früher ein sehr großer Narr, und kein Mensch, der ihn damalsgekannt hat, hätte geglaubt, daß es mit ihm einmal diesen Ausgangnehmen würde.
Die Geschichte ist eigentlich recht einfältig, und ich erzähle sic bloß,damit ich manchem verwirrten Menschen nützlich bin, und daß man eineAnwendung daraus ziehe. Mancher, der in unserm Vaterlande und inunser» Gebirgen bewandert ist, wird auch, wenn er überhaupt diese Zei-ten liest, den Waldsteig sogleich erkennen, und wird sich mancher Gefühlecriuncrn, die ihm der Steig eingeflößt hat, wenn er auf ihm wandelte,Stifter, -i. Aukl. UI. 8