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und zerreißendste gewesen wäre, und lange nicht, oder vielleicht nie mehreine Wiedervereinigung hoffen ließe.
Die Mutter Ludmilla aber ging in stiller Freudigkeit herum, sie ge-segnete den Sohn beim Abschiede, und dachte immer, wie sie es denndurch das wenige Gute, das sie in ihrem Leben stets mehr ausführcn ge-wollt, als gekonnt hatte, verdient habe, daß sie nun Gott in ihrem Alterso sehr belohne, ach so sehr, so sehr belohne.
Als er fort war, begann das stille einfache Leben in dem Thale undHanse wieder, wie cs bisher immer geführt worden war. Die Mutterthat in Unschuld die Geschäfte des Hauses, besorgte alles auf das Beste,erwies Gutes, wo sie cs konnte, und ließ eine Fülle häuslicher Habe undBequemlichkeit für eine nahe Zeit ausrüstcn und arbeiten: Hanna wareine ergebene Tochter, die nur immer den Willen der Mutter that, undin innerer Bewegung und Erregung wartete, was die Zukunft bringenwerde.
Als vier Jahre herum waren, und die Briefe aus fremden Ländern,die alle dieselben lieben und bekannten Schriftzügc trugen, zu einem sehrgroßen Stoße angewachscn waren, kam der Briefschreiber selber, und dieBriefe hörten auf. Victor kam so verändert zurück, daß selber die Zieh-mutter staunte und überrascht wurde; denn aus dem fast kindischenJünglinge war in der kurzen Zeit ein Mann geworden. Aber nur seinVerstand und sei» Geist hatten sich heraus gebildet, das gute Herz, dassic in ihn gelegt, war unausrottbar geblieben, cs war eben so kindlichund unversehrt, wie sie cs ihm in der zarten Kindheit gegeben und dannweiter gepflegt hatte; denn ihr Herz vermochte sie ihm zu geben; wasaber der starke Mann braucht, und was das harte Leben von ihm heischt,nicht. Hanna sah an Victor keine Veränderung; denn sie hielt ihn vonKindheit auf für gewandter und tüchtiger als sich; daß sie aber einegute, einfache, große Seele habe, welche unbeugsam das Gute thut wiedas Wasser abwärts fließt, das wußte sie nicht, und das setzte sic als einGemeingut bei allen Menschen voraus.
Nicht sehr lange Zeit nach seiner Zurückkunft stand Victor mitHanna zur ewige» Verbindung an dem Altäre — zwei Wesen, deren An-tlitze die Abbilder von zwei anderen waren, die einmal auch gerne vordemselben Altäre gestanden wären, aber durch Unglück und Verschuldungaus einander gerissen worden waren, und dann lebenslänglich bereuten.