Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
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gar in Zimmern aufgehängt wurden. Die Rahmen kaufte» sie sich selberdazu. Dein Vater ist immer eitel gewesen und ließ sich malen. Ich warviel schöner, als er, und saß nicht. Als die Schule einging, kaufte ichdas Bild hieher."

Victor, der sich seines Vaters so wie seiner Mutter gar nicht mehrerinnern konnte, da sie ihm beide, zuerst die Mutter und sehr bald dar-auf der Vater in frühester Kindheit weggcstorben waren, stand nun vordem Bilde dessen, dem er das Leben verdankte. In das weiche Herz desJünglings kam nach und nach das Gefühl, das Waisen oft haben mögen,wenn sie, während andere ihre Eltern in Leib und Leben vor sich haben,blos vor den gemalten Bildern derselben stehen. Es ist ein von einer tie-fe» Wehmuth reiches, und doch einen traurig süßen Trost gebendes Ge-fühl. Das Bild wies in eine weite längst vergangene Zeit zurück, woder Abgebildcte noch glücklich, jung und hoffnungsreich gewesen war, sowie der Betrachter jetzt noch jung und voll der unerschöpflichsten Hoff-nungen für diese Welt ist. Victor konnte sich nicht vorstellen, wie viel-leicht derselbe Mann später in dunklem einfachen Rocke und mit dem ein-gefallenen sorgenvollen Angesichte vor seiner Wiege gestanden sein mag.Noch weniger konnte er sich vorstellen, wie er dann auf dem Krankenbettegelegen ist, und wie man ihn, da er todt und erblaßt war, in einenschmalen Sarg gethan und in das Grab gesenkt habe. Das alles ist ineine sehr frühe Zeit gefallen, wo Victor die Eindrücke der äußeren Weltnoch nicht hatte, oder dieselben nicht für die nächste Stunde zu bewahrenvermochte. Er sah jetzt in das ungemein liebliche, offene und sorgenloseAngesichtchen des Knaben. Er dachte, wenn er noch lebte, so würde erjetzt auch alt sein, wie der Oheim: aber er konnte sich nicht vorstellen,daß der Vater dem Oheime ähnlich sehen würde. Da er noch lange stand,keimte in ihm der Entschluß, wenn er überhaupt mit dem Oheime aufeinen bessern Fuß zu stehen käme, als er jetzt stand, daß er ihm die Bittevortragen wolle, ihm das Bild zu schenken, denn Lein Oheime könne jaso viel nicht daran gelegen sein, da er es in diesem ungeordneten Zimmerganz allein auf der Wand hängen und den vielen Staub auf dem Rah-men liegen lasse.

Der Oheim stand indessen an der Seite und sah das Bild und denJüngling an. Er hatte keine sonderliche Thcilnahme gezeigt, und wieVictor die erste Bewegung machte, sich von dem Bilde zu entfernen, ging