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Victor wurde glühend roth im Angesichte; denn er hatte nie ge-logen.
„Wenn cs nicht so wäre," antwortete er, „so würde ich cs nichtsagen. Wenn Ihr mein Oheim seid, wie cs fast scheint, so habe ich hiereinen Brief von meinem Vormunde, der Euch darthun wird, wer ichbin, und daß ich nur auf Euer ausdrückliches Verlangen die Fußreisehieher angctreten habe."
Mit diesen Worten zog der Jüngling das reinlich erhaltene Schrei-ben, wie es ihm seine Ziehmutter anbefohlen hatte, hervor, und reichtecs zwischen den Eisenstäben hinein.
Der alte Mann nahm das Schreiben und steckte cs ungelesen ein.
„Dein Vormund ist ein Narr, und ein beschränkter Mensch," sagteer, „ich sehe, daß Du Deinem Vater ganz und gar gleich siehst, da eranhob, die Streiche zu machen. Ich habe Dich schon über den Seefahren gesehen."
Victor, der in seinem Leben keine rücksichtslosen Worte gehört hatte,war stumm, und wartete nur, daß der Andere das Gitter öffnen werde.
Dieser aber sagte: „Nimm eine Schnur mit einem Steine, undertränke diesen Hund in dem See, dann komme wieder hieher, ich werdederweilen öffnen."
„Wen soll ich ertränken?" fragte Victor.
„Nun den Hund, den Du da mitgezögen."
„Und wenn ich es nicht thue? "
„So öffne ich Dir diese Pforte nicht."
„So komme, Spitz," sagte Victor.
Er kehrte sich bei diesen Worten um, lief über die Treppe in denGraben, stieg jenseits empor, lief durch den Zwerggartcn, durch dieAhornanlage, durch das folgende Gestrippe, und langte an der Seebuchtan, mit allen Kräften, deren sein Körper fähig war, hinaus rufend:„Schiffer! — alter Schiffer! "
Aber es war unmöglich, daß ihn dieser hören konnte. Den Knalleines Scheibengewehres hätte man in dieser Entfernung nicht mehr ver-nommen. Wie eine schwarze Fliege stand das Schiffchen neben der dun-keln Fußspitze des Orlabergcs, die weit in den Abendglanz des Seeshinaus stach. Victor nahm sein Sacktuch hervor, knüpfte cs an seinenStab, und that allerlei Schwenkungen in die Luft, damit er gesehen