Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
22
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war cs mir, als hätte ich Dich wirklich unter dem Herzen getragen-

und ich hätte Dich ja eigentlich unter diesem Herzen tragen sollen; eswar Gottes Wille, wenn cs auch nachher anders geworden ist ichwerde Dir das erzählen, wenn Du älter geworden bist. Und zuletzt, daßich es sage, um Gott und der Wahrheit die Ehre zu geben, Ihr werdetmir wohl beide gleich lieb sein. Mit dem Gclde machen wir cs so,Victor: man muß keinem Menschen in seinem Gewissen Gewalt anthun,und ich dringe daher nicht mehr in Dich; lassen wir das Geldanlicgcnbleiben, wo cs jetzt liegt, ich werde eine Schrift verfertigen, daß es Dirund Hanna ausgcfolgt werde, wenn ihr großjährig seid; dann könnt ihres theilen, oder sonst darüber verfügen, wie ihr wollt. Ist es Dir sorecht, Victor?"

Ja, dann kann ich ihr alles geben."

Lasse das nur jetzt ruhen. Wenn die Zeit kömmt, wird sich schonfinden, was mit dem Gelde zu machen sei. Ich will Dir noch auf dasandere antworten, was Du gesagt hast, Victor. Wenn ich Dir heimlichGutes that, so that ich cs auch Hanna. Die Mütter machen cs schonso. Seit Du in unser Haus gekommen bist, ist cs beinahe, als wäre eingrößerer Segen gekommen. Ich konnte für Hanna jährlich mehr er-sparen, als sonst. Die Sorge für zwei ist geschicktere und geübtereSorge, und wo Gott für zwei zu segnen hat, segnet er oft für drei. O Victor! die Zeit ist recht schnell vergangen, seit Du da bist. Wennich so zurück denke an meine einstige Jugend, so ist es mir: wo sind denndie Jahre hingekommen, und wie bin ich denn so alt geworden? Da istnoch alles so schön, wie gestern die Berge stehen noch, die Sonnestrahlt auf sie herunter, und die Jahre sind dahin, als wie ein Tag.Wenn Du Nachmittag, wie Du sagst, oder etwa morgen noch einmal inden Wald hinauf gehst, so suche eine Stelle auf man könnte sie vonhier beinahe sehen sichst Du, dort oben in der Bergrinne, wo dasLicht gleichsam über die grünen Buchen herab rieselt. Die Stelle istfür Dich bedeutsam. Es quillt ein Brünnleiu hervor und fließt in dieBcrgrinne nieder, über das Brünnlein legt sich ein breiter flacher Stein,und eine sehr alte Buche steht dabei, welche unten einen langen Ast aus-streckt, auf den man Tücher legen, oder einen Frauenhut aufhängcnkann."