Druckschrift 
Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
Seite
309
Einzelbild herunterladen
 

309

doch noch einen Ort geben, wo ich mich wieder erholen undendlich sein kann, wie ich sein will. Ich habe genug gelitten:ich darf sterben. Ich getraue mir aber kein Wort mehr anSie zu schreiben, als dieß, daß die, so an Sic schrieb, gewißtodt ist, wenn Sic dieses lesen, und daß Sie darüber sichfreuen sollen. Ach Sie werden mich verachten, so langeSie leben, und cs nie glauben, wie sehr ich schmachtete, fürSic oder für die Ihrigen etwas thun zu können, und wievielmal mich die Idee zerriß, wenn ich mir vorstellte, cs gingeIhnen nicht gut. O! der Himmel gebe Ihnen Alles undvereinige Sie in jener Welt wieder mit den Ihrigen! Michaber verachten Sie doch nicht gar zu sehr, sondern geben eszu, wenn ich Ihren Kindern, an die ich ohne heiße Thränennicht denken kann, weil sic so glücklich sind, ein kleines Ge-schenk schicke. Sagen Sie ihnen aber nicht, woher es kommt,ich möchte gern ganz vergessen sein und unbemerkt verschwin-den. Niemand hat durch mich meine Geschichte erfahren undich habe alle Bücher und alle Tagebücher verbrannt. NurIhre Locke nicht; sie bleibt an meinem Hals und ich nehmesie mit.

O, leben Sie wohl! unvergeßlich geliebter Vater! Ach,daß es so mit mir werden mußte! Mein unglücklicher Geistwird Sic aber umschweben, so lange bis Sic ihn wieder aus-genommen und mit sich nehmen. O, dürft' ich Ihnen einZeichen geben! Ihnen höhere Kundschaft bringen!"

Erschütternd sind die letzten Augenblicke ihres Lebens.Freundlich, aufmerksam, geschäftig in den häuslichen Anordnun-gen selbst in der Stunde des Abschieds gab sie der Schwesterund ihrem Verlobten durchaus keinen Verdacht, und derenAngst erwachte erst, als schon das Ungeheure geschehen war.