Schwester! Ach wäre doch alles nur geträumt gewesen undich hätte nie an Dich geschrieben! — Aber ich kann nichtmehr! Ich sterbe gern, um Dir zu sagen, wie rein ich Dichverehrte!"
Darauf schrieb ihr Jean Paul, erschreckt durch die tod-verachtende Kühnheit und besorgt um die Sicherheit der Ret-tung des seltnen Mädchens:
„Liebe Maria, der Ucberfluß dessen, was ich Ihnen zusagen hätte, wovon manches noch dazu nur von Mund zu Ohrgehen darf, und mein Mangel an Zeit zwangen mich zumVerschieben meiner Antwort auf Ihre letzten Briefe. Der erste,den Sie nach meiner Antwort schrieben, erschütterte mich mehr,als irgend ein Unglück seit Jahren; denn cs kam ja ans ei-nen bloßen Zufall an, so hatten Sie ans meine ganze Zukunfteinen fürchterlichen Todesschattcn geworfen. Sie sollten meinedrei Koffer voll Briefe sehen, von denen ich — oft bei denbessern — aus Mangel an Zeit nicht beantwortet habe.Sogar zwischen meinen Freunden und mir, z. B. Geh. RathJacobi, Verfasser des Waldemar, dauert der Aufschub der
Antworten gewöhnlich Monate lang.-> Auf Ihre vier
ersten Briefe, die mich wahrhaft begeisterten und in welchenich nur eine seltne hohe Liebe und Feuersecle und keine ein-zige Ihrer oder eines Andern unwürdige Zeile fand, beant-wortete ich mit mehr Feuer und Freude, als ich sonst dabeizeige. Sie forderten die Antwort nur zu eilig, zu pünktlich.Konnte ich denn nicht verreiset sein, oder krank, oder todt,oder abwesend, oder in Geschäften? Ihren Schritt, den Siedeßhalb thun wollten, muß ich bei aller Größe des Geistes,die er verräth, strenge verdammen; aber nie sei mehr von ihmzwischen uns die Rede. Uebrigens wünschte ich. Sie zeigten