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6. Kap. Regeln wider den Zorn, wider den Schmerznnd znm Frohscin.
Wozu viel Redens über eine Kleinigkeit, da cs nicht ein-mal bei einer Wichtigkeit hilft.
Gib nach, so wird nachgegcbcn. Ein einziges Sclbst-Untcrdrücken nnd Nachgebcn gewahrt nie Nachrcuc, aber langefort schöne Frucht. Die Minute freilich vor der Selber-Uc-bcrwindnng ist schwer; — die erste nach ihr so leicht!
Ucber Kleinigkeiten sollte man am wenigsten ausfahren,da sie eben am häufigsten kommen und plagen.
Die wichtigsten Verbote, z. B. in der Schrcibstundc, seiensanft ausgesprochen, auch mit der Stimme. Jede äußerlicheRuhe gibt der inncrn größere Wirkkraft.
Gegen Volk keinen Zorn bei Ungerechtigkeit; sei da nieauffahrend, sondern zeige Ruhe und Würde.
Grade über die Fehler, worüber man am stärksten zornigwird, weil sic, nachdem man sie so oft getadelt, doch immerwicdcrkehrcn, sollte man sich eben ans diesem Grunde am we-nigsten entrüsten, da sic ja die Entschuldigung der angcborucnNatur für sich habe».
Dieselbe Dcnkkraft, die einen fremden Fehler und dadurchden Zorn in dir anschwcllt, brauchst du nur auf irgend einenandern Gegenstand — nicht eben auf einen zum Vortheil desBeleidigers oder der Aussöhnung, nur aus einen theoretischen— zu wenden und alles leitet sich ab und du wirst gekühlt.
Durch Zorn und Leidenschaft wird noch gar nichts gethan;nur durch festen, Hellen Entschluß.
Jedes Gefühl täuscht als solches mit dem Drohen seinerFortdauer, die wir grade jetzo nicht ertragen könnten. Aberdem heutigen Gefühle können wir doch das feste Wissen ver-