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Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
Seite
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Nicht blos eine Eigenschaft eines (gehaßten) Menschenmnß man zu entschuldigen suchen, sondern ihn in seinem gan-zen Umfang beschauen und vergleichen.

Wenn ich den Mittelkopf darum anfeinden oder verachtenwill, weil er über seinen Werth sich etwas hcrausnimmt undsich für größer hält: ^so darf ich ja dem höhcrn Kopse cs nochweniger verzeihen, wenn er den (einigen zu hoch ansetzcn will,da schon im höhcrn die Bedingung und Leichtigkeit der Scl-bcrkenntniß liegt; und dennoch kehren wir es um und verzei-hen Hinauswärts und nicht hinabwärts.

Ein Mann, dessen Stolz man für zu groß hält und denman ganz herabsetzt, würde uns selber wehe thun, wenn er inseinem eignen Bewußtsein vor uns so träte, wie wir wünschen.

Lasse ich dem Andern das Recht seiner Sclbcrschätzungund Selbstliebe zu, so darf er auch beide zuweilen im Vcr-hältuiß zu groß werden lassen.

Blos durch (scheinbar herablassende) Liebe gegen Andere,die eigentlich dir gleicher stehen, als sic denken, dankst du demHimmel für die Ucbcrschätzung deiner. Auch fremde Fehler(z. B. Nichtanerkennung) sollen nicht eigene erzeugen.

Bei dem Mißverhältnis? mit dem Andern malt man sich,anstatt zur Versöhnung und Einschanung recht feurig dessenInneres sich abznzeichnen, umgekehrt das eigne Innere rechtfeurig vor; anstatt in ihn hineinzngehcu, geht man destotiefer rückwärts in sich selbst hinein.

Hast du oft vergeben, warum nicht noch einmal? Undwillst du irgend einmal vergeben, warum nicht sogleich, son-dern erst die. Marter des Zürnens anshaltcn? Zürnen heißt«inen Fehler zu einem ganzen Menschen machen und mit Ei-nem alle Tugenden auslöschen.