Druckschrift 
Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
Seite
233
Einzelbild herunterladen
 

nicht dic jetzigen." Dazu kam ein ungeheurer Schmerzder tief in seine Seele schnitt und kalt wie eine Sonnenfin-stcrniß über seinen Himmel zog: Herders Tod. Er hatteihn geliebt, wie keinen Andern, und war von diesem großenMenschen geliebt und erkannt worden, wie von keinem andern.Das Grab, das seine Hülle deckte, umschloß für ihn eine Welkvon Liebe und Geist und warf einen dunkeln breiten Schat-ten über ihn und alle seine Freuden. Wohl hat er seinerLiebe und seinem Schmerz ein herrliches Denkmal gesetzt amSchlüsse des Buches, womit er grade beschäftigt war, derVorschule der Aesthetik, aber sicher dürfen wir annchmen,daß der Verlust Herders zu der veränderten Richtung in JeanPauls Thätigkeit mitgewirkt habe.

Mit unsäglicher Lust hatte Jean Paul dieFlegeljahre"zu schreiben begonnen. Das Glück, dic Güte und die Thor-heit einer wahren Dichtersccle gegenüber dem Weltverkehr undWcltverstand zu schildern und durch alle Gefahren und Wider-wärtigkeiten zum rechten Ziele zu führen und dabei sich in denbehaglichen Niederungen des Lebens zu bewegen, in denen einpensionierter General die höchste geographische Höhe bildetalles dicß hatte die größten Reize für ihn, und einen großenTheil seiner Zeit während des Aufenthaltes in Koburg wid-mete er dem Ausbau dieses Romans; und dennoch verließ erihn, und mit ihm vorläufig die Dichtkunst, um seine Kräfteaus ernste wissenschaftliche Untersuchungen, auf Werke philoso-phischen Inhalts zu lenken. Vor allem legte er in derVor-schule zur Aesthetik" seine Ansichten und Erfahrungen aufdem Gebiet der schönen Literatur nieder und begann dic Vor-bereitungen zu seinerLevana," dem goldenen Buch derErziehung. Ein cigcnthümliches, zunächst nur komisches Er-