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Abgußsaal, der sich gestern wie eine neue Welt in mich drängteund die alte halb erdrückte. Du trittst in einen langen, lich-ten, hohen, gewölbten Saal, durch den zwei Alleen von Säulenlausen. Zwischen den Säulen ruhen die alten Götter, die ihreGrabeserde oder ihre Himmclswolkcn abgeworfen haben, unddie uns eine heilige, selige, stille Welt in ihrer Gestalt und inunsrer Brust anfdecken. Du findest da den Unterschied zwischender Schönheit eines Menschen und der eines Gottes; jene be-wegt, obwohl sanft, noch der Wunsch und die Scheu; aber dieseruhet fest und einfach, wie der blaue Aethcr vor der Welt undder Zeit, und die Ruhe der Vollendung, nicht der Ermüdung,blickt im Auge und öffnet die Lippen. So oft ich künftigüber große, schöne Gegenstände schreibe, werden diese Göttervor mich treten und mir die Gesetze der Schönheit geben.Jetzt kenn' ich die Griechen und vergesse sie nie mehr!"*)Endlich unternahm Jean Paul in diesem Jahre auch nocheine Reise nach Weimar, und zwar um Wohnung dort zumachen für sich in der nächsten Zeit. Hauptsächlich die Sorgefür seinen Bruder hatte ihn nach Leipzig geführt; dieser Sorgewar er durch einen großen Schmerz überhobcn worden, da ihn
*) Wohl in Folge dieses Eindrucks nahm Jean Paul die griechi-schen Classiker wieder vor. „ In diesem nordischen Winter,schrieb er an Thicriot, wurde mein Geist in Jonien und Attikaerquickt; ich meine, ich laS mit einer Wonne, wovon IhnenHerder erzählen könnte, die Odyssee, die Ilias, den Sophokles,etwas vom Euripidcs und Aeschylns. Ilias und Sophokles er-griffen mich fast bei den Nerven; nach den letzten: Gesängender Ilias und dem Ocdip zu Kolonos kann man nichts mehrlesen als Shakespeare oder Göthe. Sie wirken schon auf mei-nen Titan, aber nicht als Väter, sondern als Lehrer; nicht alsplastische Form dieser Pflanze, sondern als reifende Sonnen."