Druckschrift 
Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
Seite
175
Einzelbild herunterladen
 

175

gerichtet ist und der die Hauptgrundzüge des Kampancrthalesenthält.

Außerdem aber daß diese jungen Mädchen, unter denenwir die Namen Renata, Karoline, Helena, Friederikeund Amöne verzeichnet finden, anregend aus Phantasie undGeist des jungen Dichters wirkten und zn seiner geselligenBildung, zu Mäßigung und Milderung der stets übcrströmcn-dcn Laune, des Witzes und der Satire beitrugen, mußten sieauch dem licbcbcdürstigcu Herzen voll schwärmerischer Sehn-sucht wenigstens einige Befriedigung gewähren. Betrachteteer sie selbst als seineerotische Akademie," so durfte er ihrauch die Preisfrage verlegen:Wie weit darf die Freundschaftgegen das weibliche Geschlecht gehen, und welcher Unterschiedist zwischen ihr und der Liebe?" Die Frage war um so wich-tiger, als alle seine Mittheilungcn unter dem Feuer seinerPhantasie eine so lebhafte Farbe gewannen, daß sie das ge-wöhnliche Auge von Acnßerungen der Liebe schwer unterschei-den mochte. Inzwischen unterschied er in seinem Herzen ge-nau und überließ sich mitten im Genuß der Freundschaft einerleidenschaftlichen Sehnsucht nach dem Wesen, das mit seinerSeele den ewigen Bund schließen würde. Die Tagebücherjener Zeit tragen vielfache Spuren dieser übcrströmenden Em-pfindung.Wenn ich in der Jugend, schrieb er am 21.Juli1791 oder jetzt in den Minuten ans den Jahren jenerauf einem Hügel mit dem Blick über Landschaften und Dör-fer und Schlösser schwamm und in die glänzende Wolke flog,die den Himmel an die Erde wölbte, und wenn ich durch dieWolke brach: ach! was sehnt' ich mich nicht zu finden! Du,Sehnsucht, versprachst und maltest mir, was ich nicht sah. Wenndas Wolkendach der Erde abgehoben, wenn die Sonne durch