Druckschrift 
Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

158

Am 9ten August.

Ich mag uicht erst mühsam einem schicklichen Anfangnachsagen; also gleich zu dem. was sich mir am ersten dar-l'ictct. Ordnung, unverwandtes Augenmerk aus das Vorge-setzte Ziel ist meine Sache nicht; ich springe lieber, als ichgehe, obwohl jenes mehr als dieses den Leser ermüdet. Wersollte daher uicht, wie Montaigne oder Sterne schreiben zudürfen wünschen? Witz ist allemal nnstät; er bleibt nie aufeiner Fährte; und warum? weil er nach Aehnlichkcitcn hascht,weil er. gleichgültig gegen die wahren Verhältnisse der Dinge,blos scheinbaren nachläust und sich durch die Verfolgung sei-nes Fangs- in alle krummen Umgänge desselben verirrt. Da-her unterscheidet sich sein Gang vom dem der Philosophie,aber nur durch die Art seiner Ordnung. Ich wollte deshalb,alle witzigen Schriftsteller schrieben ihre Werke so, wie ich diemcinigcn schreiben muß, nehmlich in Absätzen, nicht sclavischnachtretcnd dem Gang der Materie, die eben dadurch den Witzin ein zu kleines Feld von Achnlichkeiten cinschlicßt und ihnan einem Faden wohl hcrnmflattern, aber in einem zu kleinenHimmel hernmflattern läßt. Die Aufmerksamkeit wacht zu sehrüber jeder Bewegung einer Gehirnfibcr nndsschlicßt drei Thciledes Kopfs von der Erlaubniß aus, in Gesellschaft des vier-ten unordentlich zu sein. Aber da freilich so ein Ding leich-ter geschrieben, als gelesen wird, so muß die kalte Uebcrlcgungnachher die zerstreuten Materialien in einen regelmäßigen Bauordnen. Dann wird immer Gutes sich zu Gutem fügen, undWitz .sich an Witz reihen und die Schöpfung der Anstrengungwürde sich nicht mit schlechtem Anhängsel der Ermattung ver-unziert sehen, welches im entgegengesetzten Fall unvermeidlich