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keit ist: so solltest du über die Ergänzung des Mangels beieinem andern nicht Neid, sondern Freude haben.
IV. Z o r u.
Alle Menschen haben gute Seiten; warum hasse ich we-gen Einer schlimmen zehn gute? Warum wende ich das Augevon diesen?
Der Sieg über den Zorn gibt außer der Tugend nochdie süße Empfindung des Siegs und hebt das Uebcl, dasmich ausbringt; ich kann also die Anlässe des Zorns in An-lässe des Vergnügens verwandeln.
Denke ich mich an die Stelle des Beleidigers ganz: sowar' ich, wie er, und ich würde an mir billigen, was ich jetztan andern hasse.
Warum will ich nicht ohne Zorn und in Liebe strafen?Warum mit Zorn den Zorn ausschcltcn? Stelle dir die Tu-gend des Feindes, seine vorige Liebe gegen dich, gegen andre(bedenke, daß er doch noch andre liebt) und deine vor unddie Qual seines Hasses gegen dich.
Erweiche dich durch die Ausmalung der Leiden des Fein-des; denke dir ihn als einen geistig Gebrechlichen, der Mitleidverdient.
Erwarte Beleidigungen, da die Menschen schwach find unddu selbst welche zufügst, zumal zu gewissen Stunden.
Du verdammtest allemal den Zorn, wenn er vorüberwar, und sähest das Unrecht ein.
Der Zornige fesselt sich, seine Freunde, seine Tugend undRuhe an die Willkür eines jeden.
Dein Haß richtet sich nicht nach der moralischen Häßlich-keit, sondern nach deiner Laune, Empfindlichkeit, Gesundheit;kann aber der andre dafür, daß du heute krank bist?