149
der Sorge ins Gesicht und lachte den Kummer aus, ja selberdie Wehmuth und Empfindsamkeit*), und stählte sein Herzmit Weisheit. Und so konnte er in spätem Alter von dieserZeit schreiben: „Das Erfreuliche und Zauberische, auf dasich ewig uud sehnsüchtig zurückschauc, ist meine Jugendzeit;aber nicht meine äußere, die kahlste, die je Jünglinge ertra-gen, sondern meine innere, welche unter dem hohen Schneeder äußeren Lage ihre Blumen und Blüthcn und den ganzenFrühling trieb."
Sein Lebelang ist Jean Paul in eigcnthümlichcr Weise alssein eigner Mentor neben sich gestanden; er schrieb sich seine Le-benSansichtcn als moralische Verhaltungsbefchle nieder, und hieltsic sich durch fleißiges Lesen in lebendigem Bewußtsein. Daserste Heftchen der Art, das er sich als Student in Leipzigangelegt, nannte er sein „Andachtsbüchlein;" es ist vomJahr 1784 und enthält u. A. folgende Bemerkungen:
I. S ch m c r z.
Jedes Uebel ist eine UcbungSaufgabe und ein Lehrer derStandhaftigkeit.
Jede unangenehme Empfindung ist ein Zeichen, daß ichmeinen Entschlüssen untren werde.
Das Uebel verfliegt, wenn ich nach ihm nichts frage.Jedes, dem ich Unanfhörlichkcit angedichtet, schloß sichmit Freuden.
Es wäre ein unmögliches Wunder, wenn dich keines an-
*) „Ich trieb die drei Facultätbrotstudic», aber als Nntcrabthei-lungen der Philosophie und des Spaßes, dein ich verdanke,daß ich über den Sturmmonat des Gefühls unversehrt hinüberkam." I. P.