Stillung meines Unmuths noch einmal, und nun dankte ichGott, daß ich keinen Verleger hatte. „Da lieg' im Winkel,"sprach ich mit pathetischer Miene znm kleinen Richter, „wodie Schulexercizien liegen; denn du bist ein halbes. Ich willdich vergessen, denn die Welt würde dich ohnehin vergessenhaben. Dn bist zn jung, um alt zu werden, und die Milch-Härchen deines Kinnes lassen mich nicht hoffen, je an deinemKopse graue Haare zu erleben." Aus diesem zornigen En-thusiasmus erweckte mich meine rechte Hand, die von ungefährin die Hosentasche zum leeren Geldbeutel gekommen war. Zuder Hand schlug sich noch mein Magen, der durch sein mur-melndes Veto der ganzen Entschließung eine andere Wendunggab. Kurz, ich unternahm nach einer vergeblichen Arbeit einemühsame, und schuf in sechs Monaten, nicht in sechs Tagen,einen nagelneuen Satyr, so wie Sie ihn hier bcigelegt finden."
Dieß war der erste Band der „grönländischen Pro-zesse," deren Geschichte Jean Paul wenigstens zum Theil inder Vorrede zur zweiten Auflage (Berlin 1821) mittheilt.„Ich fertigte in Leipzig, im Körnerschen Kaffcehause zur Rose,(1782) die Grönländischen Prozcßacten, gerade als ich nochsoviel Geld als Vorschuß übrig hatte, um damit unter demProzessieren ausznrcichen, bis der Aktcnstock an die Facultatder Welt abgesandt und das Bezahlen der Parteien richterlichfestgesetzt worden. Aber leider wollte kein Verleger in Leip-zig die Kosten der Aktcninrotulierung und Versendung verle-gen; und der arme Armcnadvocat — ich war nchmlich selberder Arme, für den ich advozierte — zog in mehr als einemBuchladen seinen Aktenstock aus der Tasche heraus und steckteihn wie einen Degen wieder in die Scheide.
Während dieses schriftstellerischen Umganges nahm der