139
Vogel, daß ich arm dm; aber Ließ wissen Sie vielleichtnicht, daß man mir meine Armuth nicht erleichtert. Manmuß vorher einem Gönner dnrch Geld zu verstehen geben,daß man Geld brauche; d. h. man muß nicht arm sein,wenn man reich werden will. Dieses stillt bei mir weg, undkein Bertheilcr fremder Wohlthatcn achtet mich für bedürf-tig genug, mir das Fremde zu schenken, weil ich ihm dasMeiuige nicht schenken kann. Noch obendrein hat mir Gottvier Füße versagt, mit welchen man sich den gnädigen Blickeines Gönners und etliche Brosamen von seinem Ueberflußerkriechen kann. Ich kann weder ein falscher Schmeichler, nochein modischer Narr sein, und weder durch die Beweglichkeitmeiner Zunge, noch meines Rückens Freunde gewinnen. SetzenSie noch hinzu, daß die meisten Professoren weder Zeit, nochGelegenheit, weder den Willen, noch das Vermögen zu Hel-sen haben; daß der Zugang zu ihnen durch die Menge de-rer, die schmeicheln oder betrügen, denen unmöglich gemachtWird, die keines von beiden thun wollen; daß cs Stolz ver-rathen würde, wenn man nach der Gelegenheit Haschen wollte,ihnen eine gute Seite zu zeigen — denken Sie sich dieß alleszusammen, so wissen Sie meine Lage; aber Sic wissen nochnicht, wie ich sie verbessere. Es fiel mir einmal ein so zu den-ken: „ich will Bücher schreiben, um Bücher kaufen zu können;ich will das Publikum belehren (erlauben Sie diesen falschenAusdruck wegen der Antithese), um auf der Akademie lernenzu können; ich will den Endzweck zum Mittel machen und diePferde hinter den Wagen spannen, um aus dem bösen Hohl-wege zu kommen!" Ich änderte nun die Art meines Studie-rens; ich las witzige Schriftsteller, den Seneka, den Ovid,den Pope, den Uoung, den Swift, den Voltaire, den Rousseau,