131
lieber als deutsche. Der Witz eines Voltaire, die Bered-samkeit eines Rousseau, der prächtige Styl eines Helve-tius, die seinen Bemerkungen eines Toussaint — alles diesestreibt mich zum Studium der sranzöfischcn Sprache. Ichglaube nicht, daß ich lerne, sondern nur daß ich mich ver-gnüge; mit den Eindrücken der schönen Stellen, der witzigenEinfälle bleibt auch zugleich die Erinnerung von der Art,wie sic ausgedrückt wurden, zurück. Ich las den Pope — erentzückte mich, eben so Yonng. Er ist unfehlbar in der eng-lischen Sprache noch viel herrlicher. Ich lerne sie jetzt, undvorzüglich um die vortreffliche Wochenschrift, den Zuschauer,zu lesen, von der wir eine elende Uebcrsetznng haben. DieBeredsamkeit des Rousseau entzückt mich; ich fand sie im Ci-cero nnd Scneka; — ich liebe diese beiden jetzt über allesund gäbe ihre Lektüre um keines der besten deutschen Bücher.Die Satiren eines Pope reißen mich hin: ich fand ihn imOriginal wie Horaz noch schöner. Seine Kritik der Vernunftist ein Meisterstück, Illoimt. cle rn-te pooticu ebenso. Jetztlieb' ich die lateinischen Autoren, Ich habe das dumme Vor-nrtheil fahren lassen, von welchem ich durch eine sehr schlechteJnformazion von einem lateinischen Lehrmeister bin eingestecktworden. Lassen Sie mich hier eine kleine Ausschweifung überdas Lesen der alten Autoren in den Schulen machen. Wasich sage, kann falsch sein, allein bei mir war es wahr. Umeinen alten Autor nachznahmcn, um ihn schön zn finden, umihn zn lieben nnd sich mit ihm zu beschäftigen, muß man Ge-schmack haben."
Der Entscheidung für seinen Berns als Schriftstellerwurde Richter theils durch äußere Umstände und Verhältnisse,theils durch das klarer werdende Bewußtsein davon in Leipzig
9 *