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Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
Seite
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läßt, wenn Andere Thräncn vergießen wir nennen sie Men-schenliebe. Ein Mittel hiczn sehe ich in jener Anziehung derGesichter, die man Schönheit heißt. Dieser Reiz im Anblick,der unsre Seele so nnlockt, dieses Schmelzende, das unsre Her-zen in Wehmuth zerfließen und unsre Augen zärtliche Thrä-ncn hernuswcinen läßt dieses Göttliche in menschlichenGesichtern knüpft das Band, das ohnehin ein immer reger Triebbindet, noch fester, noch inniger zusammen.- O ich möchteeher vor dem Bilder alles Schönen und Vollkommnen niedcr-fallen, hinauf zu ihm weinen, wenn ich eine rührende Schön-heit erblicke, als wollüstige Gedanken haben.

Was nun an diesen frühesten Acußerungen Jean Paulsbesonders auffallen muß, ist, daß darin noch nicht eine Spur je-ner dichterischen Eigenschaft wahrzunehmcn ist, als deren vor-züglichsten Vertreter die Geschichte der deutschen Literatur ihnnennt. Religiöse Betrachtungen, philosophische Forschungen,Beobachtungen der Natur und des Menschenlebens bilden denHauptinhalt seines Denkens und Dichtens; kaum daß in dieanthropologischen Bemerkungen, deren Grundton Liebe undFreude ist, sich ein leichter satirischer Zug mischt. Aber frei-lich konnte der ihm eigne Humor auch nur auf diesem Grundewachsen; denn nur die von Gott, Freude und Liebe erfüllteSeele durchfliegt ungefährdet alle Höhen und Tiefen und ge-winnt der Thorhcit ihre heitre, der Weisheit ihre schwacheSeite ab und der bunten und verkehrten Welt ihren ewigenZusammenhang mit Gott.

Dagegen hatte jene bereits in dem Verhältniß zu Ocr-thel ans Licht getretene, unscrm Dichter in hohem Gradeeigne, Weichheit des Gefühls, die vor dem Schimmer desMondes und dem Schlag der Nachtigall, wie vor dem Lebe-

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