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rende Leiden, der sucht alle verborgenen Qualen zusammenund bringt unbekannte Freuden nicht mit in Rechnung. Beideeinzeln betrachtet irren; beide zusammen genommen geben dasBild des gewöhnlichen Menschenlebens. Man kann zur Be-hauptung seiner Sache Schilderungen von dem Leben einigerMenschen Vorbringen, die entweder meistens glücklich oder un-glücklich waren. Aber man dars sich nur erinnern, daß cs hierso wie bei allem in der Welt Ausnahmen giebt. Der gewöhn-liche Mensch hat nicht so viele Freuden, als einige träumen,aber auch nicht so viele Leiden.
3 .
Freude macht uns zu allgemeinen Menschenfreunden; undTraurigkeit läßt uns Allen gram sein, oder Wenige ausschlie-ßcnd lieben. — Der Traurige liebt die Einsamkeit; der Freu-dige sucht Menschen, denen er sein schwellend Herz ausgießenkann. —
4 .
Große Männer loben sich selten: aber sic brauchen es auchnicht. Täglich sumset ihncu das Gerücht von ihrer Vortreff-lichkeit in die Ohren. Kleine Geister werden nicht müde, vonsich Gutes und Schönes zu sagen. Die Ursache ist, weil Nie-mand je dergleichen von ihnen gesagt hat. Sic wollen nunLob. Eignes muß daher die Stelle des fremden ersetzen.
5 .
Unser Schöpfer hat alle Mittel angewandt, um in unsdie Liebe gegen Andere zu erwecken, zu nähren —> die Liebe,die uns das Leben so süß macht, die uns jedes Leiden mitverdoppelter Kraft ertragen läßt. Eine Flamme lodert unauf-hörlich in unserm Busen, die uns zur Freude entzündet, wennWir Andere fröhlich sehen, und die unser Herz in Unmuth kochen