Druckschrift 
Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
 

45

Städten sind etwa fürstliche oder amtliche Geburttage, Meß-zeiten die wahren Trinitatis. Paul fing an glänzenden Sonn-tagmorgcn sein Genießen dadurch an, daß er noch vor derKirche durch das Dorf mit einem Bund Schlüssel ging erläutete unterwegs damit, um sich dem Dorfe zu zeigenund den Pfarrgarten mit einem davon aufspcrrte, um darauseinige Rosen für das Kanzelpnlt zu hole». In der Kircheselber ging es schon darum heiter zu, weil die langen Fensterden kalten Boden und die Weibcrstühle mit breiten Lichtstrci-fen durchschnitten und weil das Sonnenlicht um die Zauber-Hirtin Augustina hernntcrfloß. Auch ist die Freude nicht zuverachten, daß er (sammt seinen Amtbrüdern) nach der Kircheund vor dem Essen zu den Frohnbancrn der Woche das ge-setzmäßige Halbpfnndbrod sammt Geld austragen durfte, erst-lich weil der Vater das Brod lieber zu groß und also denBauern eine Freude schickte, zweitens weil Kinder gern eineins Haus tragen, am meisten Paul. Zuweilen hatt' er auchdem Frohnbaucr Römer den Ausschnitt Brodleib zuzutragcn;und er sah sich um nach seiner Kirchen- und Herzen-Heiligen aber immer umsonst.

Denn in seiner Prospektmalcrei von Liebe machten dochzehn Schritte mehr oder weniger etwas; und gesetzt, er hättectwan durch eine besondere Glücksgöttin nur einen halbenSchritt weit vor ihr gestanden! Aber ich gebe denn erhätte dann vollends auch hörbar gesprochen nicht einmaleinen Wink von solcher ansgeblicbencn Seligkeit.

Ich behaupte, kein Insasse auf Schöppen-, Fürsten-, Lehr-,heiligem oder sonstigem Stuhle macht sich einen Begriff da-von, wie Pfarrkindern eine Sonntag-Vesper schmeckt (sondernnur einer auf dem Predigtstuhle, selber), wenn die beiden