Druckschrift 
Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

schriebener Materien darein kleidete. So war er zwar seineigner Geheimschrciber und Vcrstcckcns-Spielcr mit sich selber:konnte aber doch ohne nur in die Büttncrschen Vcrgleich-tafcln aller Schriftarten zu gucken auf der Stelle seineneue so leicht weglesen, wie, eine gewöhnliche, weil er dieseeben buchstabenweise schon als Steckbrief unter die heimlichengestellt, und er blos nachznsehcn brauchte. Diesmal könnteman cs vielleicht dem mehr besagten Geschichtforscher wenigerverdenken, wenn er ans diesem Verziffcrn und Entziffern, dasschon in so früher Zeit weniger im Inhalte als in der Ein-kleidung seinen Werth suchte, eine Anlage zu einem Gcsandt-schaftrathc oder wirklichen Gesandten sehen wollte; denn inder That Hab' ich später mir den Charakter eines Legazion-rathes erworben und könnte noch heute manches verziffcrn.

Der Tonkunst war meine Seele (vielleicht der väterlichenähnlich) überall aufgethan, und sie hatte für sic hundert Ar-gus-Ohren. Wenn der Schulmeister die Kirchengänger mitFinalkadenzcn hcimorgclte: so lachte und hüpfte mein ganzeskleines gehobnes Wesen wie in einen Frühling hinein; oderwenn gar am Morgen nach den Nachttänzcn der Kirchwcihe,welchen mein Vater am nächsten Sonntage lauter donnerndeBannstralcn nachschickte, zu seinem Leidwesen die fremdenMusikanten sammt den gebänderten Baucrpurschen vor derMauer unseres Pfarrhoscs mit Schallmcicn und Geigen vor-überzogen: so stieg ich aus die Pfarrhosmaucr, und eine HelleJubclwelt durchklang meine noch enge Brust, und Frühlingeder Lust spielten darin mit Frühlingen, und an des Vaters .Predigten dacht' ich mit keiner Sylbe. Stunden widmete ichauf einem alten verstimmten Klavier, dessen Stimmhammcrund Stimmenmeister nur das Wetter war, dem Abtrommeln