wovon ich gelesen, welcher 70 Jahre alt wurde und doch keineandere Kirchenstcllc bekam, als eine darneben im Kirchhofe.
Nur fürchte aus dem Bisherigen ja niemand von meinenZuhörern, daß sie ctwan einen Vater von mir vorbekommcn,welcher erbärmlich, wie einige neuere Ucbcrchristen in thräncn-nassc Schnupftücher cingcwindclt, daherzieht; er lebte auf Flü-geln, und wurde als der anmuthigstc Gesellschafter voll Scherzin den Familien von Brandenburg und Schöpf gesucht. DieKraft des geselligen Scherzes begleitete ihn durch sein ganzesLeben, indeß er im Amte als strengster Geistlicher, und aufder Kanzel als sogenannter Gcsetzprcdigcr galt. In seinerVaterstadt gewann er durch seine begeisterten Predigten seineAnverwandten, in Hof im Voiglland noch etwas Wichtigeres— eine Braut, und was noch schwerer war, die reichen Schwie-gereltern dazu. Wenn ein Bürger, der durch Tuchmachcn undSchlcicrhandcl wohlhabend geworden, von seinen zwei einzigenTöchtern die schönste, kränklich zart gebildete und geliebtcste ei-nem durstigen Tcrzius, der mit seinen Gläubigern eine Tag-rcise von ihm wohnt, nicht versagt: so konnte auf der einenSeite dieser Terzius nur mit vielem Verdienste der persönli-chen Erscheinung und mit dem Ruhm und Eindruck großerKanzelgaben Tochter und Eltern erobert haben, und auf derandern mußte in dem Tuchmacher eine über sein Tuch undGeld erhobene Seele wohnen, für welche der Stand des Ta-lents und der geistlichen Würde in einem höher» Lichte er-schien als der gleißende Silberhaufc eines gemeinen Wesens.Im Jahre 1761 den 13. Oktober ging die Liebende als Brautmit ihren Schätzen in sein enges Schulhäuschcn, das er zumGlück ohnehin durch kein Hausgeräthe noch enger gemacht.Sein heiteres Leben, seine Gleichgültigkeit gegen Geld, ver-