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2 (1853) Welt- und Gottanschauung
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aber beseelt um sich her Felsen und Bäume, in angenehmer Selbst-täuschung, mit den ihm eignen sittlichen Gefühlen und HähernIdeen. Doch nicht Jedem dünkt ein und derselbe Gegenstandschön. Was diesen entzückt, läßt jenen kalt, weil nicht Alle einer-lei Erregbarkeit, einerlei Erinnerungen, einerlei G eistes-cntwickclnng haben. In Personen, welche der Thierhcit nocham nächsten stehn, erschließt sich zuerst die Liebe des bloß An-muthigen. Sie nennen schön, was ihre Sinnen reizt, wie rohes auch sei. Kindern gefallen brennende Farben, rauschende Klänge.Der Wilde schmückt sich mit bunten Federn; die rohe Bäuerinmit flatternden Bändern; die geschmacklose Welt-Dame mit einerModctracht, wie entstellend sie auch sein möge. Der reifereVerstand fordert, mit Amnuth verbundene Einfalt, Klarheit,Ebenmaß, Einheit im Mannigfaltigen, Wahrscheinlich-keit. Der höhere, sittliche Mensch aber findet nicht mehr schön,was nicht auch gut ist, oder gar dem Gefühl des Heiligen feind-selig entgegen strebt.

Die Schönheit, mag sie uns in Werken der Natur, oder derKnust, erscheinen, wird in sich selber eine verschiedenartige, jenachdemjssie vorzugsweise mehr den Forderungen sinnlicher Anmnth,oder denen des urtheilenden Verstandes, oder den Ideen des Heili-gen und Unendlichen entspricht. Welcher einzelnen von diesen drei-fachen Forderungen immerhin vorzüglich Genüge geleistet werde:darf doch dabei keine der übrigen beleidigt und znrückgestoßenbleiben. So empfangen wir eine Verschiedenheit des Schönen,im Anmnthigcn, im Komischen, im Tragischen und Er-habnen.

Das Anmuthigc gefällt durch Sinne schmeichelnde Formeneines mannigfaltigen, nnd doch leichtfaßlich geordneten Inhalts,der, in zarten Gegensätzen verschlungen, stillhcitre Gefühle desErinnerns und Ahncns anregt, ohne edlere zu kränken.

Zsch. Selbstschau. II. ' 9