Ma. heraus, denen der lutli. Theologe Flacius (Varia doctorum pio-rumque virorum de corrupto Ecclesiae statu poemata. Bafil. 1557) weitereVerbreitung verfchaflfte. In neurer Zeit hat Th. Wright in feinen Edi-tionen von 1839—44 die Abfaflung durch Walter Mapes, der um 1180am Hofe Heinrichs II. lebte, am entfchiedenften vertheidigt. — Dagegentrat im Jahre 1843 J a ^* Grimm mit feiner Abhandlung „Gedichte desMittelalters auf König Friedrich I., den Staufer“ (Kleinere Schriften III.Berlin 1866, S. I ff.) auf und vindicierte die. hervorragendflen Gedichteeinem deutfchen Dichter Namens Walther und archipoeta zubenannt.
In demfelben Jahre aber hatte auch fchon Du Meril angefangen,freilich mehr aus alten Drucken als aus Manufcripten und ohne alle Sorg-falt der Kritik cTiefelben und änliche lateinifche Lieder des Mittelalters ausfranzöfifchen Quellen zu veröffentlichen und W. Giefebrecht hat infeiner claffifchen Abhandlung über „die Vaganten oder Goliarden undihre Lieder“ in der öfter citierten Kieler Monatsfchrift (1853), S. iofif. undS. 344ff. den franzöfifchen Urfprung der ganzen Erfcheinung entfchiedenerwiefen, und daneben die Verfafferfcliaft der hervorragenderen Gedichtedurch Walther v. Lille refp. die Identität des angeblich deutfchenarchipofcta mit diefem wahrfcheinlich zu machen gefucht. Die Schwächeder Grimm’fchen Hypothefe liegt freilich nach Seite der Identificierungmit dem „archipoeta“, der 1220 im Klofler lleifterbach Aufname ge-fucht, klar genug zu Tage; aber nicht minder grofse Schwierigkeitenentliehen bei Giefebrechts Hypothefe daraus, dafs Johann von Salis-bury im Jahre 1166 zu einem Manne in einem Verhältnis warhaft reli-giöfer Pietät gellanden haben foll, der noch fo kurz’ vorher (zwifchen1162—65) dem Kanzler Reinald Daffel in Italien die frivolllen Liedergewidmet hatte (f. darüber O. Hubatfch a. a. O. S. 85fT.); ganz ab-gefehen noch von den im Texte felbll unfrerfeits geltend gemachten Be-denken bezüglich der Parteillellung Walthers v. Lille, wofür der Haupt-beleg oben in Anm. 165 zu linden ill. Diefe Bedenken grade kannder fonft für hillorifche Kritik fo verheifsungsvolle Ausgangspunkt vonden zehn Walther von Lille ficher zuzufchreibenden Gedichten am% wenigllen entkräften, und hat dagegen die Uebereinltimmung des Namensmit dem Gualterus der carm. bur. nicht viel zu bedeuten. Ebenfowenigwird der ficher auf Frankreich zurückweifende Urfprung der Goliardendazu berechtigen, auch den Impuls und die Leiflungsfähigkeit zu diefenDichtungen fo ausfchliefslich an Frankreich zu feffeln. Auch dagegenfindet fich Zutreffendes bei Ilubatsch. Als ältere Proben der Aeufserungzum Teil erwiefener Mafsen deutfchen Urfprunges dürfen die lateinifchenGedichte nicht iiberfehen werden, die aus dem 10. und II. Jahrhundert