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Vom römischen Kaisertum deutscher Nation : ein mittelalterliches Drama ; nebst Untersuchungen über die byzantinischen Quellen der deutschen Kaisersage
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Hilferufe erfchallen im Abendlande, die neu begründeteChriflenherrfchaft im heil. Lande nicht wieder den Ungläubigenzum Raube fallen zu laffen. Der fieggekrönte Kaifer ver-helfst fchnelle Hilfe und ein Engel trollet die Bewohner desheil. Landes (v. 215 ff.):

Land Juda und Jerufalem fcheuch von dir Furcht und Sorgen:Dafs Gott dich fchützt, wird offenbarn dir fchon der nächfle

Morgen.

Schon find fie da, die dich befreinund deiner Feinde Macht zerftreun.

Wie am Ende die Aufforderung zum Preife der ewigenAllmacht von allen Anwefenden durch einen Lobgefang auf-genommen wird, fo fällt hier auf dem Höhepunkte derSpannung, den die einzig im Drama vorkommende Engel-erfcheinung bezeichnet, der Gefammtchor mit der Wieder-holung der trollenden Engelworte ein. So konnte nur derfülen und dichten, der mitten in der grofsen Bewegung derKreuzzüge überhaupt und in der vollen Miterfahrung destiefen Anteils Hand, den das ganze Abendland an der da-maligen Gefahr für das heil. Grab und das neubegründeteKönigtum von Jerufalem nam. Hier halten wir vorerft Hill.

Wollte man annemen, dafs unfer Antichriftfpiel fchonvor Gerhoh von Reichersberg gedichtet wäre: fo weifs ichnicht, wie man das Alles erklären könnte, ohne zugleichdem Dichter eine wunderbar plallifche Gabe der Prophetieanzudichten. Mit folchen Farben des Lebens pflegen ge-wönliche Menfchen nur zu fchildern, wo fie das wirklicheLeben vor fich fehen. Sicherlich wird jeder Hiftorikerund Kritiker, der von Zweifeln um frühere Abfaffung nichtsweifs, erklären: dergleichen konnte nur im Angeficht derBedrohung des heil. Landes durch Saladin gedichtet werden.Durch diefen Eindruck darf man mit vollem hiftorifchenRecht die Gründe verllärken und ergänzen, mit denen wiroben (S. 109) aus Gerhohs eignem Bericht zu erweifen ver-