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wolle inzwifchen, erklärt fie, hingehen um Salben für denunter die Mörder Gefallenen zu bereiten. Zwifchen diefemund dem verlorenen Sohne teilt fie ihr Almofen. — Damitift der endliche Sieg der himmlifchen Caritas entfchieden,und — hingeriffen von der Macht folcher Liebe — fchliefstfelbll die herbe Justitia die Pietas in ihre Arme. Gewifs,das ift unvergleichlich fchön. Nur einen vollentfprechendenGleichklang ift es mir gelungen, in den fogenannten carminaBurana zu entdecken, wo es von der caritas heifst:
„De Jericho sum veniensploro cum sauciato,quem' duplex Levi transiensnon astitit grabato.“
Die deutfche Allegorie vom Dialog der Barmherzigkeitund Wahrheit, die Haupt mitgeteilt hat, reicht bei weitemnicht an diefe Zartheit der Empfindung 152 ).
Wol aber lernt man erlt fo die ganze Tragweite faffen,die in der Allegorie liegt, dafs der Kirche neben der Ge-rechtigkeit die Barmherzigkeit mit dem Oelgefäfs in derHand zur Seite geht. Das Oel ifts, das die Wunden derMenfchheit heilen foll, und gefchöpft erfcheint es aus derOelquelle, die am Tage der Geburt Chrifti in der Stadt Romentfprungen fein foll. Die mittelalterlichen Chronillen findvoll von diefem Wunder 153 ).
So weifs unfer Drama die Perlen unter den Zeittradi-tionen zu entdecken und zu verwerten, und ftatt gefpreizterAuslegung der verborgenen Schönheiten genügt ihm diefymbolifch andeutende Einfiirung einer fchweigenden Figur.Für den Genufs der Menge war dergleichen zu fein. Be-greiflich dann, dafs nicht nur das old merry England ftattdeffen aus dem Antichriftfpiel eine mit frivolen Anfpielungengewürzte Farqe macht, fondern auch in Deutfchland dasariftokratifch ernfte Vorbild zu einer Bauernkomödie herunter-