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Im Allgemeinen greift die Komik in dem Mafse erftPlatz, als das geiflliche Schaufpiel das Gewand der Volks-fprache annam. Finden wir doch die Mifterien als eigent-liches Bauernfpiel wieder, wie Till Eulenfpiegel ein folchesgellört haben foll 142 ). Aber weder erhalten lieh die latei-nifchen Feflfpiele fchlechthin frei von diefem Zuge, denkirchliche Sitte felbft eingebürget hatte und lang hinaus überdas allgemeine Fortleben der geifllichen Spiele in Braucherhalten hat 113 ), noch ift eine Gelegenheit der anderen gleichzu achten. Ein Paffionsfpiel follte man meinen, hätteweniger Aufforderung zu folcher Würze geboten, als einAntichriftfpiel von halbpolitifcher Haltung. Dennoch findetfich von dergleichen keine Spur in unfrem Drama, fo er-kennbar der hie und da auf blitzende Humor beweift, dafsnicht Einfeitigkeit als hindernde Schranke bei dem Dichtervorauszufetzen ift. Ein ariftokratifcher Ernft ift es, der unferDrama ebenfo hoch fittlich als künftlerifch heraushebt überalle änliche Erfcheinungen der Folgezeit.
Wir haben damit fchon der nächften Aufgabe voraus-gegriffen, die Entftehung unfres Dramas in der Folge derEntwicklung der Mifterien des Mittelalters überhaupt auf-zuweifen. Erft fo wird begreiflich, was es fonft in Warheitnicht wäre. Die Reifeftufe, welche die Entwicklung dernationalen Epik und Lyrik vermiffen läfst, um Bedürfnis undLeiftung auf dramatifchem Gebiete auch nur in folchenMafsen für möglich zu achten, war auf einem anderen Lebens-gebiete erfetzt, das doch zugleich echt volkstümlich für jeneZeit heifsen mufs. Seit Jahrhunderten vertrat das gottes-dienftliche Leben dem Volke beides, den Erfatz für Epikund Lyrik ktinftlerifcher Form, und dies in unmittelbardramatifcher Ausprägung. Es ift nicht not zu wiederholen,was unzälige Male als Motiv für die Entftehung des geift-lichen Dramas an- und ausgefürt worden ift: der dramatifcheCharakter des Mefsgottesdienft.es überhaupt und der Feft-