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Herrlichkeit mit den Lobgefängen im höheren Chor ent-fprechenderes Finale zu erfinden gewefen. Diefe Art Auf-fiirungen teilten eben einen Vorzug mit den altgriechifchenDramen —: Handlungen und Ideen von folcher Art zu ver-anfchaulichen, die dem Volke nicht fremd und neu, fondernein Stück feines eignen Lebens, Anfchauens und Fülenswaren, dort dem politifchen Leben oder der mythologifchenTradition, hier dem kirchlich religiöfen Gemeinbewufstfeinentnommen. Daher war bei diefen mittelalterlichen Dramenmöglich, was einft auch nur die griechifche Trilogie möglichmachte, dafs die Zufchauer halbe Tage, ja mehrere Tagehintereinander im Anfchauen diefer Dramen verbrachten.Ob es dem Wagner-Bayreuter Feftfpiel gelingen wird, der-gleichen ftändig zu erneuern, darf jedenfalls zweifelhaft er-fcheinen: aber das Ammergauer Paffionsfpiel bewärt tatfäch-lich noch in der Gegenwart den alten Zauber folcher mittel-alterlichen Misterien.
Damit betreten wir ein neues Gebiet der Unterfuchung.Wollte man die Entftehung unferes Drama’s allein aus derbisher vorliegenden Entwicklung der weltlichen Volksliteraturmotivieren, fo unternäme man etwas an fich Unbegreifliches.In aller Welt kommt es zu dramatifchen Kunftfchöpfungen,vielmehr zu dem Bedürfnis diefes Literaturproductes, erft aufGrund vorher erlangter Reifeltufe der epifchen und lyrifchenPoefie in einem Volke. Indien liefert in feinen Verfönungs-dramen den Beleg für die Unverbrüchlichkeit diefes Gefetzesin der immer noch unvollendeten Reife feiner Producte beiallem Zauber zarter Schönheit und grofsartiger Schilderungim Einzelnen. Griechenland allein war es gegeben in un-mittelbarer Folge gleicher Reife auf jedem Gebiete das innereRecht jener Forderung zu veranfchaulichen. Deutfchlandfeinerfeites hat, weit zurückbleibend gegen andere Nationen,bekanntlich erft im iS. Jahrhundert auf dramatifchem Ge-biete die volle Kunftreife erreicht — vielleicht um zugleich