Druckschrift 
Vom römischen Kaisertum deutscher Nation : ein mittelalterliches Drama ; nebst Untersuchungen über die byzantinischen Quellen der deutschen Kaisersage
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

82

tretung erhob. Es war eben die Zeit, wo mit dem Jufli-nianeifchen Rechte vollbewufst das Ideal eines unbedingtherrfchenden Byzantinifchen Kaifertums erneuert wurdeund dies von Italienifchen Juriflen l30 ), fo widerfprechenddiefe Ideen lieh zu den realen Tatfachen Italienifcher Städte-freiheit wie deutfeher Reichstraditionen verhielten. Tatfäch-lich waren fchon zu Carls d. Gr. Zeiten diefe ByzantinifchenAnfchauungen die herrfchenden; aber unausgefprochen, jaman darf fagen unbewufst und in der Form der reinenNaivetät des Refpectes vor einer grofsen Perfönlichkeit undvor übermächtigen Tatfachen der Gefchichte. Im 12. Jahr-hundert dagegen herrfcht die Zeit des reflectierten Bewufst-feins, wie fich allzeit Reflexion und Theorie Gatt der naivenPraxis zu erzeugen pflegen, wenn nach zwifchenliegendemVerfall ein neu erftarktes felbftkräftiges Leben fleh geltendmacht. So mufste mit einer Art pragmatifcher Notwendig-keit auch der kirchlich-theologifche Ausdruck einer nochdurchaus von kirchlichen Ideen beherrfchten Zeit fleh inden Banen und Formen der Byzantinifchen Reichsanfchauungvollenden. Infofern darf es als eine nicht zufällige Er-fcheinung betrachtet werden, dafs trotz der fchon feit demIO. Jahrhundert bemerkbaren, füll verborgenen Einwirkungder Methodiusfage auf das Abendland, erft zur Zeit FriedrichBarbaroffas diefe Reminiscenz bewufst und gleichfam be-kenntnismäfsig hervortritt. Vor Otto v. Freifing findet fichnach den bisher bekannten Quellen der Name Methodiusnicht genannt im Abendlande.

Sofern Niederlegung der Herrfchaft Seitens des gröfstenletzten Weltfiegers bei diefer Anfchauung das Ziel der Ent-wicklung bildet, kann man fagen, dafs jener Idee höchfterApotheofe des Kaifertums grade ein tiefer Schatten desTragifchen anhaftet. Für einen Hiftoriker, wie Otto vonFreifing, lag darin, wie wir ihn kennen (S. IO f.), eher etwasAnziehendes. Man könnte fagen, er fei präformiert dafür