;6
keit zu erweifen, dafs die Methodiusweiffagung vor Mitte desIO. Jahrhunderts im Abendlande bekannt fein konnte, genügtdas völlig. Und weiter reicht unfre Aufgabe nicht.
Die Tendenz als Troftfchrift, wie man unfre Weiffagungengefafst, wird kaum ausreichen. Eine folche wäre freilichauch fpäter nicht minder Bedürfnis gewefen; aber der Ge-fammtinhalt pafst überhaupt nicht recht dazu. In Stellengrade, welche die abendländifche Sibylle wörtlich mit unfrerWeiffagung teilt, fafst die letztere alle Siege der Feinde alswolverdiente Züchtigung für die Sünden der Chriften. Auchdie Siege, die der letztbefprochene Teil der Weiffagung inAusficht Hellt, füren nur zu neuer Sicherheit nach dem Bilde,das Chritlus felbft der Noachitifchen Zeit entnam zurWarnung für die Endzeit 12r ’). Eben dafür erfcheint wiederdas Hervorbrechen Gog und Magogs, die letzte Phafe derdurch die heidnifchen Völker zu erleidenden Strafen, alsneu entfprechendes Gericht, und jene Siege felbft nur alseine Weiffagung auf die letzte durch Gottes unmittelbaresEingreifen ermöglichte Verherrlichung des Kaifertums. Aufdiefes letztere Ziel ftrebt offenbar der Tenor des Ganzenhin. Man erinnere fich der Rolle, welche die Aufrichtungdes Kreuzes fchon bei der erften Gründung von Byzanzfpielt (oben S. 53 )- Das Ende ift am Anfänge gleich vor-bereitet. Eben darin liegt der Anfpruch unfrer Schrift alsOriginalfchöpfung angefehen zu werden. Dann wird aberauch die Gefammttendenz der Schrift vielmehr dahin be-zeichnet werden müffen: dem Byzantinifchen Kaifer-tum trotz aller tatfächlichen Bedrohung deffelben die Präro-gative der ihm allein und urfprünglich von Chriftoanvertrauten Weltherrfchaft zu wahren. Und für denVerfuch eines folchen Nachweifes lag freilich feit demJahre 800 der dringendfte Anlafs vor. Nicht minder begreiftfich, mit welcher Vorliebe diefe hochtheokratifche Be-gründung des weltherrfchenden Kaifertums im Abendlande