Druckschrift 
Vom römischen Kaisertum deutscher Nation : ein mittelalterliches Drama ; nebst Untersuchungen über die byzantinischen Quellen der deutschen Kaisersage
Entstehung
Seite
46
Einzelbild herunterladen
 

4 6

die weitere Unterfuchung widmen. Im Abendland ift diefelbe unzweifelhaft in zallofen lateinifchen Paraphrafendenn fo mufs man im Verhältnis zu dem griechifchen Textdie angeblichen Ueberfetzungen bezeichnen verbreitet ge-wefen. Ihr Anfehen flieg mit den Jahrhunderten. DerCommentar vonWolfgang Aytinger, in Bafel bei SebaftianBrant 1498 erfchienen, ift freilich ftatt deffen, was wir unterdiefem Begriff zu verliehen pflegen, felbft nur ein Sammel-furium von allerhand aufgelefenen Weiffagungen und will-kürlichen Gefchichtsparallelen. Man findet dort eine Mengeder mittelalterlichen Weiffagungen beifammen, dieDöllingerin feinem geillvollen Auffatz zufammengeftellt hat. Aberein factifcher Beweis für die andauernde Wertfehätzungunfrer Quelle bleibt die Tatfache einer fo fpäten Commen-tierung doch. Die Jefuiten fetzten dann fpäter die Traditionfort, zum Teil mit viel forgfältigerer Prüfung der chrono-logifchen Data 10 ). Wie vielfeitig diefe Quelle auf das Abend-land herüber gewirkt, fpeciell auch nach Seite der fo reichausgebreiteten Kreuzesfage, können wir im Verlauf nur an-deuten; aber wenn die Abhängigkeit jener Sibyllen von Me-thodius unzweifelhaft ift, dann lieht jedenfalls die für unsbedeutfamfle Tatfache feft, dafs grade das Moment, dasfür die ganze mittelalterliche Kaiferfage den charakteriftifchenHöhepunkt bildet: der fchliefsliche Zug nach dem heil.Lande und die freiwillige Refignation auf das Kaifertum andiefer geweihten Stätte in der Methodiusweiffagung ihrenurfprünglichen Fundort hat.

In einer Zeit, wo man von Kreuzzügen ins heil. Landnoch nichts wufste, wie in Adfos Tagen, wird ohnehinerfl durch die fremde Quelle die Form begreiflich, in derwir dort Kaiferfiege im heil. Lande zuerft als Zeithoffnungauftreten fehen. Davon fprachen wir fchon. Ganz andersdagegen und ungleich früher trat für Byzanz die Bedrohungdes heil. Landes durch heidnifche Mächte in den Gefichts-