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Zwar in fo unverhüllter Form, wie bei dem durchGerbert zur Gefchichtfchreibung angeregten Richer trittdie jenfeitige Anmafsung nur vereinzelt auf; — von diefemwerden die Deutfchen und obenan König Heinrich einfachals dem fränkifchen Reiche unterworfen behandelt 25 ). Da-gegen mufs es als ganz felbftverltändlich erfcheinen, dafsin früheren Zeiten, fo lange unter Otto I. das deutfcheKaifertum noch nicht erneuert war, die alten Carolinger-Traditionen in Frankreich als Gewär unbeflrittenen Erb-rechtes auf das Römifche und weltherrfchende Kaifertumfich geltend machten. Eben diefer Gefchichtsmoment ift esaber, der für die Traditionen, aus denen auch unfer Kaifer-drama unzweifelhaft zunächft fchöpft, entfcheidende Be-deutung gewinnt. Aus diefer Zeit, man kann genauer fagenaus der Zeit vor 954, flammt der libellus de Antichrifto,von einem franzöüfchen Geiftlichen verfafst, welcher in feinerHeimat zweifellos eine dominierende Stellung einnam. Ur-fprünglich Mönch in Luxeuil, wurde Adfo erft zur Leitungder Klofterfchule in St. Evre (936), dann (968) zum Abtdes Klofters Moustier-en-Der im Sprengel von Chalons-sur-Marne berufen. Näher befreundet mit Gerbert nam er anden theologifchen Disputationen an Otto’s Hofe Teil. Auchzu des letzteren Schwefter Gerberga, die an Ludwig IV.„transmarinus“ verheiratet war, mufs er in näheren Be-ziehungen geftanden haben; denn von ihr gieng die directeAufforderung zu jener Schrift Adfo’s aus. So entwickelt nunder franzölifche Kleriker vor der Fürftin aus dem SächfifchenKaiferhaufe, dafs das Kaifertum für alle Zeit den Frankengehöre und in einem letzten grofsen Franzofenkaifer zufeiner Vollendung kommen werde 26 ). Immerhin mufs esAdfo bei der damaligen Zeitlage noch zu Gute gerechnetwerden, dafs er ehrlich genug war, den augenblicklichenVerfall der Carolingifchen Kaifertraditionen in Frankreichnicht zu verhehlen.