7
fcheinung und feiten mit mehr als mit einer refpectvollenkurzen Verbeugung vor dem erflen ausgeflirten lateinifchenDrama geifllicher Art des Mittelalters beehrt und beachtetworden ift. Wenn aber auch Hiftoriker von Namen, wieneuerdings, durch Döllinger angeregt, zum erften MaleRiezler auf unfer Drama reflectieren und in demfelben nichtmehr als eine obligate Zufammenftellung kirchlicher Tra-ditionen zu finden wiffen 5 ), fo kommt damit erll das eigent-liche Motiv traditioneller Mifsachtung zu Tage. Als einmittelalterliches Mifterium vom „ Antichriften“ hat es nichtnur der an fich ganz willkürliche Titel, den es feit Pez’sVeröffentlichung von 1721 fiirt, eingebürgert, fondern derganze zweite Hauptteil feines Inhaltes gibt auch unzweifel-haft tatfächliches Anrecht zu derartiger Auffaffung. Wasfreilich die Verbindung diefer Vorftellungen gerade für diemittelalterliche Kaiferfage bedeutet, hat Riezler felbft aufGrund der Döllingerfchen Vorarbeiten fo wohl verftanden,dafs er es zu einer Ergänzung des Voigt’fchen Auffatzesüber die Kaiferfage verwerten konnte. In meinem Stutt-garter Vortrag habe ich verflicht, diefe Zufammenhänge ein-leitend und überfichtlich näher zu begründen. Aber ab-gefehen davon, dafs die deutfch-nationale Gefinnung, dieunfer Drama bei der Verbindung diefer Vorftellungen ganzeinfarn und felbftändig vertritt, auch Seitens der Hiftorikervöllig unbeachtet blieb, hat man fich mit hiftorifchen Vor-fragen von entfcheidender Bedeutung, die dabei in Fragekommen, nur fehr obenhin abgefunden.
Der fpecififche Incidenzpunkt, den auch in unfremDrama das Ende des Römifchen Kaifertums für das Auf-treten des Antichriften bildet — und fo charakteriftifch ver-wertet wie hier findet diefes Moment fich nirgends wieder —ftirt, wie wir nachzuweifen haben, auf die folgenreiche Tat-fache, dafs die Kaiferfage des abendländifchen Mittelaltersin ihren charakteriftifchften Momenten von morgenländifch-