280
Oberon.
63 .
Hier weicht die stolze Kunst der siegenden Natur;
So lieblich girrt der Venus Taube nur!
Die Sprache des Gefühls so mächtig ausgesprochen,
Der schönen Töne klarer Fluß
Durch kleine Seufzerchen so häufig unterbrochen,
Der Wangen höhers Roth, des Busens schnellers Pochen,
Kurz, alles ist vollströmender Erguß
Der Leidenschaften, die in ihrem Innern kochen.
64 .
Im Uebermaß von dem, was sie empfand,
Fallt ihr zuletzt die Laute ans der Hand.
Die Arme öffnen sich — doch, Hüon, dem es graute,Greift eilends noch im Fallen nach der LauteWie ein Begeisterter, und stimmt mit mächt'gem TonDie Antwort an, gesteht, daß eine andre schonSein Herz besitzt, und daß im Himmel und auf ErdenIhn nichts bewegen kann ihr ungetreu zu werden.
65 .
Fest war sein Ton, und unbestechlich strengSein edler Blick. Die Zanbrin, wider Willen,
Fühlt seine Obermacht. Sie blaßt, und Thränen füllenIhr zürnend Aug'; die Lust kommt ins GcdrängMit ihrem Stolz. Sie eilt sich zu verhüllen;
Verhaßt ist ihr das Licht, der weite Saal zu eng;
Mit einem kalten Blick ans ihrenRebellen, winket sie, ihn schleunig abznführen.