Druckschrift 
Oberon
Entstehung
Seite
167
Einzelbild herunterladen
 

Siebenter Gesang.

167

30 .

Verzweifelnd will, ihr nach, die treue Fatme springen.

Man hält sie mit Gewalt. Sie sieht die holden Zwei,

So fest umarmt, wie Neben sich umschlingen,

Schnöl fortgewälzt nur schwach noch mit den Wogen ringen;Und de sie nichts mehr sieht, erfüllt ihr AngstgeschreiDas ganze Schiff. Wer kann ihr wiederbringenWas sie verliert? Mit ihrer KöniginIst alles was sie liebt und hofft auf ewig hin.

31 .

Indessen hatte kaum die aufgebrachten WogenDes Ritters Haupt berührt, so legt, o Wunder! sichDes Ungewitters Grimm; der Donner schweigt; entflogenIst der Orkane Schaar; das Meer, so fürchterlichKaum anfgebirgt, sinkt wieder bis zur GlätteDes hellsten Teichs, wallt wie ein Lilienbette;

Das Schiff setzt seinen Weg mit Rudern munter fort,Und, nur zwei Tage noch, so ruht's im sichern Port.

32 .

Wie aber wird cs dir, du holdes Paar, ergehen,

Das, ohne Hoffnung, nun im offnen Meere treibt?Erschöpft ist ihre Kraft; Besinnen, Hören, SehenVerschwunden das Gefühl von ihrer Liebe bleibt.So fest umarmt, als wären sie zusammenGewachsen, keines mehr sich feiner selbst bewußt,

Doch immer noch im andern athmend, schwammenSie, Mund auf Mund, dahin, und Brust an Brust.