Die Hochzeit ward demnach mit großer Pracht vollzogen.Der edle Bränt'gam, zwar ein wenig steif und schwer,Stapft an Rosettens Hand gar ehrenfest einher,
Und wähnt sein Taufschein Hab' um zwanzig ihn belogen.Was Augen hat läuft schaarenweis' herbeiDen prächt'gen Kirchgang anzustaunen;
Ein stattlich Paar! hört man zu Leiden Seiten raunen;Sie gleichen sich — wie Januar und Mai.
43 .
Rosettens Unschuld war (wie in dergleichen FällenGewöhnlich ist) des alten Gangolfs Stolz:
Er schien am zweiten Tag vor hohem Muth zu schwellen,Und schritt einher gerader als ein Bolz.
Es war der letzte Trieb von einem dürren Holz!
Die Uebel, die sich gern zu grauer Liebe gesellen,Begannen bald bei ihm sich reichlich einzustellen;
Je wärmer Röschen ward, je mehr ihr Alter schmolz.
44 .
Jndeß verdoppelt er auf andre Art die ProbenVon seiner Zärtlichkeit, beschenkt sie täglich schierMit neuem Modekram, mit Spitzen, schönen Roben,Juwelen, kurz, mit allem was er ihrAn Augen ansehn kann. Es koste was es wolle,
WaS ihr Vergnügen macht, das ist sür ihn Genuß;
Er fordert nichts dafür als höchstens einen Kuß;
Mit einem Wort, er spielt die — Alten-Mannes-Rolle.