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Oberon
Entstehung
Seite
57
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Dritter Gesang.

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. 30 .

Nun, flüstert ihm die Jungfrau, edler Ritter,

Was zögert ihr? Er schläft. Den Ring, und einen Hieb,So ist's gethan!Dazu ist mir mein Ruhm zu lieb.Ein Feind, der schlafend liegt, und nackter als ein Splitter,Schläft sicher neben mir: erst wecken will ich ihn."

So macht euch wenigstens zuvor des Ringes Meister,Spricht sie. Der Ritter naht, den Reif ihm abzuziehn,

Und macht, unwissend, sich zum Oberherrn der Geister.

31 .

Der Ring hat, außer mancher Kraft,

Die Hüon noch nicht kennt, auch diese Eigenschaft,

An jeden Finger stracks sich biegsam anzufügen;

Klein oder groß, er wird sich dehnen oder schmiegen,

Wie's nöthig ist. Der Paladin begafft

Den wundervollen Reif mit schaurlichcm Vergnügen,

Faßt drauf des Riesen Arm, und schüttelt ihn mit Macht,So lang' und stark, bis er zuletzt erwacht.

32 .

Kaum fängt der Niese sich zu regen an, so fliehetDie Tochter Balazins mit einem lauten Schrei.

Herr Hüon, seinem Muth und Ritterstande treu,

Bleibt ruhig stehn. Wie ihn der Heide stehet,

Schreit er ihn grimmig an: Wer bist du kleiner Wicht,Der meinen Morgenschlaf so tollkühn unterbricht?

Dein Köpfchen muß, weil du's von freien StückenMir vor die Füße legst, dich unerträglich jucken?