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2. Die christliche Zeit 2 (1856) Viertehalb Jahrhunderte
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und der von den Vortheilcn des Handels bestimmten Staatskunst. 817

drücklich sich verpflichteten, im Falle eines Krieges des Reiches gegenFrankreich, keine Truppen zu stellen.

33. Schon hatten die Verbündeten sich durch den Herzog von Sa-voyen, nunmehrigen König von Sardinien, sowie durch Dänemark undSchweden verstärkt, und schon hatte England drei Flotten auslaufenlassen, um Rußland an seinen Ostseeküsten zu bedrohen, der spanischenSilberflotte aufzulauern und Gibraltar und Minorca zu schützen. Dagelang es, den Brand im Entstehen zu dämpfen. Der König FriedrichWilhelm sah sich ungeachtet der Gegenbemühungen seiner Gemahlin ver-anlaßt, von dein Herrenhäuser Bündnisse zurückzutreten. Seine Abnei-gung gegen Frankreich und französisches Wesen und seine Ansicht vonder Unzulässigkeit einer feindlichen Stellung gegen das Reichsoberhauptwaren seine Beweggründe. Er knüpfte daher Unterhandlungen an, inwelchen er sich die Nachfolge in Jülich-Berg zu sichern suchte, da er aufdas Land in Folge der früheren Verträge Brandenburgs mit der setztregierenden, dem Ausstcrben nahen Neuburgischen Linie Ansprüche machteund diese mit Hülfe des Kaisers gegen das durch Verwandtschaft be-rechtigte Haus Pfalz-Snlzvach durchzusetzen hoffte. So schloß er imJahre 1720 auf seinem Schlosse Wusterhausen in der Mark Branden-burg mit einem Bevollmächtigten des Kaisers einen Vertrag, den erjedoch nur für den Fall der Erfüllung jener auf Jülich-Berg gerichtetenForderung als gültig betrachtet wissen wollte. Der Zertheilung desdrohenden Ungewitters erwies auch die friedliche Wendung sich günstig,welche am französischen Hofe eingetreten war. Dort hatte der Herzogvon Orleans in einem Miede des Hauses Bourbon einen Nachfolgererhalten, unter welchem die Vermählung des Königs mit der TochterLeszinskp's zu Stande gekommen war. Des Bourbon Verwaltung, unterwelcher weibliche Ränke großen Einfluß geübt, fand ein Ende durch dieErhebung des Bischofs Flcury von Frejus, der unter dem beschränktenund ausschweifenden Bourbon die Seele der Geschäfte gewesen war,und weil er den herrschenden Einflüssen ein Hinderniß zu werden schien,sich vom Hofe entfernt hatte, von dem Könige aber zurückgerufcn wor-den war. Er regierte, da auf seinen Rath der König selbst regierenzu wollen erklärt hatte, nicht dem Namen, wohl aber, da derselbe denGeschäften nicht geneigt war, der That nach. Bald nach Beginn seinerVerwaltung wurde er auch mit der Würde eines Cardinals bekleidet.Seine Thätigkcit war für Frankreich nützlich, da sie der Pflege desWohlstandes gewidmet war und in Betreff der auswärtigen Verhält-nisse mit dem Bemühen für die Wehrhaftigkeit des Staates eine Fried-fertigkeit, die seinem persönlichen Charakter entsprach, sich verband. Erwirkte jetzt, da der Krieg sich entfesseln zu wollen schien, als Vermitt-ler, und die Ausgleichung zwischen den Parteien fiel einem neuen Eon-