812
Die Zeit des französischen Uc-crgewichtes
staatlicher Ordnung war, vorbereiten. Die Krone ging auf LudwigsUrenkel Ludwig XV. über, bei dessen Minderjährigkeit eine vormund-schaftliche Negierung notwendig ward. Diese wurde dem HerzogPhilipp von Orleans, dem Sohne von Ludwigs XIV. Bruder übertragen.Zn ihm erhielt das lasterhafteste Leben nicht bloß einen Anhänger, son-dern einen Vertreter. Denn der Zügellosigkeit der Sitten, der sich derRegent und seine Genossen ergaben, und die in näherer und fernererUmgebung Nachahmung fand, folgte auch bald eine förmlich ausgcbildeteLehre von der Erlaubtheit sinnlicher Lust, und Hand in Hand damit gingeine unverhohlene Lossagung vom christlichen Glauben, durch welche jederDamm gegen den Strom der Unsittlichkeit eingerissen wurde. Die Negie-rung des Herzogs von Orleans, die bis zu dessen Tode im Jahre 1723dauerte, wußte in dem durch Ludwigs XIV. Kriege erschöpften und zer-rütteten Lande auch auf dem Wege der mechanischen Staatskunst nichtszu schaffen. Ihr gehört der Plan eines Schotten Namens Law, dieSchulden des Staates zu tilgen. Das Mittel sollte eine Bank sein,die das Vermögen der Einzelnen gegen Schuldverschreibungen an sichzog und diesen dafür Antheil an dem Gewinne einer auf Entdeckung vonGold- und Silberminen in Louisiana gerichteten Unternehmung versprach.Zn der Hoffnung auf Ncichthum ließen Viele sich von den Lockungen,mit denen das neue Unternehmen prunkte, sich verlocken und man stei-gerte die Betheiligung sogar durch Zwangsmaßregeln. Nachdem derSchwindel vom Jahre 1716 bis in das Jahr 1720 gedauert hatte,stürzte das ganze Gebäude zusammen, da erst das Mißtrauen gegendie Bankzettel Unruhe verbreitete, dann der Regent den Werth derZettel herabsetzte, dadurch das Vertrauen zu der Sache vernichtete, undwie die Bank die Zettel nicht einlösen konnte, Tausende von Familienin Armuth stürzte.
31. Die nächste Erschütterung, die das südliche Europa nach demspanischen Erbfolgekriege zu erleiden hatte, ging von Spanien aus.Dieses Reich, das mit dem Kaiser eigentlich nicht Friede gemacht hatte,konnte den Verlust seiner Nebenlande nicht verschmerzen, wie auch derKönig desselben von dem Kaiser nicht anerkannt war. Philipp V.(1700—1746), der bei einem krankhaften Gcmüthszustande, bei Neigungzu Schwermuth, stets unter fremder Leitung stehen mußte, hatte einesolche an seiner zweiten Gemahlin Elisabeth, einer Tochter des HausesFarnese. Durch sie aber ward an die Spitze der Negierung ein Geist-licher aus Piacenza, der auf ihre Verwendung zum Cardinal erhobeneAlberoni, gestellt. Indem er Ordnung in den Staatshaushalt brachte,setzte er Spanien in den Stand, einen Versuch zu Wiedergewinnungeines Theiles des im Utrechter Frieden Verlorenen zu machen. Einsolcher Versuch ward um so eifriger betrieben, als die Königin ihre