und der von den Vvrtheilcn des Handels bestimmten Staatskunst. 811
des Nordens an Schwedens Stelle gesetzt und nahm den Namen einesKaisers von Rußland an, wie ihm auch der Name Peters des Großendamals beigelegt wurde. Bezeichnet der eine dieser Namen den Um-schwung, welchen er dem Leben des Staates gegeben, so deutete derandere darauf hin, daß er, als der Nachfolger der oftrömischen Kaiser,sich dem römisch-deutschen Kaiser zur Seite stelle. Doch wurde der neueKaiser des Ostens nicht der Schirmherr der griechischen Kirche, sondernvermöge der Vereinigung geistlicher und weltlicher Gewalt, die er fürden größten Theil ihrer Bekenner besaß, erhielt er auch ihr gegenüberMachtbefugnisse von einer Ansdehnung, wie sie sonst nirgendwo vorkam.
30. Mit der Beendigung des spanischen Erbfolgekrieges und desnordischen Krieges war der Besitzstand der europäischen Staaten nochnicht für die Dauer festgestellt. Eine Ungeduld, mit der man nachGelegenheit zu Vergrößerung des Besitzes haschte, war ein nothwen-digcs Ergcbniß der die Welt beherrschenden Handelspolitik. Vermeh-rung des Besitzes war für die meisten Staaten ein Gegenstand eifrigenTrachtens wegen des mittelbaren Vortheiles, den sich der Handel davonversprechen konnte. Diese Unruhe entsprach dem hastigen Drängen undTreiben, in welches die Einzelnen in jedem Staate gcriethen, wenn einegroße Handelsuntcrnehmung die Aussicht auf Neichthum eröffnete. DasHauptaugenmerk derjenigen, welche die Staaten leiteten, war dem Ver-hältnisse zugcwandt, in welchem sich ein jeder derselben hinsichtlich derMacht zu den anderen befand. Die hieraus entspringenden Bemühungennahmen um so stärker die Kräfte in Anspruch, als die höheren Zweckedes Staatölebcns mehr und mehr aus den Augen verloren wurden undman Steigerung der Einkünfte und der Streitmacht als Hauptaufgabefür die Kunst des Staatsmannes anzusehen begann. Wie einmal dieStaatsknnst diesen Weg eingcschlagen hatte, wurde das Beharren aufdemselben eine Nolhwcndigkeit, da für jeden Staat nur möglichst aus-gedehnte Mittel des kriegerischen Widerstandes Sicherheit gewährten.Man ahnte es nicht, wie man den Staat, da man ihn auf bloß me-chanische Weise befestigte, in seinen tiefsten Grundlagen schwächte, undwie der Mangel an Gerechtigkeit in den Beziehungen der Staaten untereinander ein verderbliches Beispiel für das Verhalten der Nnterthanengegen die Negierungen wurde. Dazu kam das die Sittlichkeit höhnendeBeispiel, durch welches in Frankreich der Hof auf das eigene Land undin die Fremde 'hinein zerstörend wirkte. Als im Jahre 1715 Lud-wig XIV. gestorben, war sein Staat zwar von der Stelle, auf die erihn gewaltsam gehoben, bereits verdrängt, aber noch behauptete dasLeben des Hofes den Einfluß, den es unter ihm erhalten. Dieser Ein-fluß mußte aber bei der Gestalt, die der Hof jetzt annahm, eine Los-sagung von aller Sitte, die nur die Vorbereitung zur Lossagung von