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2. Die christliche Zeit 2 (1856) Viertehalb Jahrhunderte
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und der von den Vorthcilcn des Handels bestimmten Staatskunst. 759

die früher geübten Freiheiten sich gegen den päpstlichen Stuhl oft eifer-süchtig zeigten und ihre Stellung gegen gefürchtete Ucbcrgriffc zu be-festigen wünschten. Mit einem Aufwands von Gelehrsamkeit sammelteman die thatsächlichen Beweise für das Dasein alter gallikanischer Frei-heiten, und ließ die Thatsachen, ohne ihre Angemessenheit zu prüfen,als Richtschnur gelten. Eine im Jahre 1682 gehaltene Versammlungder französischen Bischöfe stellte vier sogenannte Artikel auf, welche dempäpstlichen Einflüsse Grenzen zu ziehen bestimmt waren und durch dieFolgerungen, die sich aus ihnen ableiten ließen, dem Könige Gelegenheitzu einem das Leben der Kirche beeinträchtigenden Verfahren gaben.Ludwig ließ die Lehre, deren kurzgefaßter Ausdruck die Artikel waren,überall verbreiten, und verlangte deren Beschwörung durch die Lehrerder Theologie und deö Rechtes. Sowohl Papst Jnnocenz XI. als seineNachfolger verwarfen dieselben, wie sich in Spanien und in Italien ent-schiedene Mißbilligung derselben auösprach. In Frankreich aber, woeines der ausgezeichnetsten Glieder des Klerus, der Bischof Bossuet vonMeaur, für die Artikel wirkte, und wo man die Anhänger der entgegen-gesetzten streng kirchlichen Anschauung, als ob der Gegensatz ein natio-naler sei, mit dem Namen der Nltramontancn bezeichnet, gewann balddie Ucbcrzeugung Raum und fand in dem Erzbischöfe Fenelon von Cam-bray ihren Vertreter, daß gerade die gallikanischen Freiheiten die Frei-heit der Kirche gefährdeten, indem sie Vieles, was dem geistlichen Ober-Hirten gebührte, in die Hände des weltlichen Regenten gaben. Aus demStreite der beiden kirchlichen Gewalten, des Primates und des Episko-pates, war eine dritte, in Bezug auf den Gegenstand des Streitesjedenfalls unberechtigte, der König, als Sieger hcrvorgegangen. SelbstWortführer der gallikanischen Freiheiten erkannten mit Schrecken, daßdas, was sie als Lehre gefördert, der Kirche in der Anwendung dasJoch der Knechtschaft aufbürde. Wie wenig der Papst hoffen konnte,desfalls einen Kampf gegen den König mit Erfolg aufznnehmen, hattesich schon längst an der Weise gezeigt, mit welcher derselbe eine seinemGesandten in Nom widerfahrene Beleidigung rächte. Im Jahre 1662war der französische Gesandte durch einen Volksauflauf, den sein Ge-folge verursacht hatte, bedrängt worden. Da forderte der König vonden Herzogen von Savopen und Toskana die Erlaubniß zum Durchzugceines Heeres, und als der Papst unterhandelte, aber aus die von Lud-wig gestellten demüthigcnden Bedingungen einzugehen zögerte, nahmdieser Avignon und Venaissin weg, die der Papst nur durch unbedingtesWillfahren wieder erhielt.

4. Dem AnSlande gegenüber wußte Ludwig mit Klugheit und Be-harrlichkeit Pläne zu entwickeln, um die Staaten, auf die sich seineAngriffe zunächst richten sollten, der Hülfe anderer zu berauben, indem

Kiesel, Weltgeschichte. II. ^9