730 Der dreißigjährige, der französisch-spanische
Rang im Rache erstrebte. Conds trat jetzt selbst an die Spitze derFronde. Zwar suchte Mazarin sich seiner zn entledigen, indem er ihnund seinen Bruder Conty verhaften ließ, doch die Stellung der Gegen-partei, zu welcher auch Gaston von Orleans getreten war, wurde sodrohend, und der Ausruhr schwoll so an, daß die Königin im Jahre1651 die Freilassung Conds's verfügen mußte und Mazarin es am ge-rathensten fand, sich aus dem Lande zu entfernen, bis der Sturm aus-getobt haben würde. Conds erreichte seinen Zweck nicht. Die Königinwar von Rathgebern der Richelieu'schen Schule umgeben, und Mazarinkonnte auch von Köln aus, wo er sich aufhielt, Einfluß auf sie üben.Ihre Gegner waren nicht einig, da Conds, sobald er sein Uebergewichterrungen, sich in seinen Bestrebungen von dem Parlamente, dem er eszum Theile verdankte, alsbald wieder entfernte, auch mit den übrigenLeitern der Fronde, namentlich mit Gondi, sich entzweite. Es ändertesich in diesen Verhältnissen nichts, als Ludwig XIV., der inzwischengroßjährig geworden war, im Jahre 1651 im Parlamente mit der Er-klärung erschien, daß er nun die Regierung selbst übernehme. Es kamvielmehr zu einem abermaligen Bürgerkriege. Conds ging nach Gupenneund gab dort das Zeichen zur Empörung, zu deren Unterstützung ihmdas mit Frankreich immer noch im Kriege stehende Spanien Hoffnungmachte. Die Königin, auf deren Seite jetzt Türenne stand, eilte ihmmit Truppen entgegen bis Poitiers. Hier stieß Mazarin zu ihr, dermit einem in Deutschland geworbenen Heerhaufen nach Frankreich zurück-gekehrt war. Da der Krieg einen schleppenden Gang annahm, suchteConds die Entscheidung dadurch zu beschleunigen, daß er sich nach Parisbegab, wo er durch die Volksmafsen das Uebergewicht hatte, währenddas Parlament, seine Stellung über den Parteien nehmend, ihm undMazarin gleichmäßig entgegen war. Doch das Parlament und derbessere Theil der Bürgerschaft widersetzten sich ihm und dem für ihnaufgeregten Pöbel so beharrlich, daß er die Entscheidung doch in demFelde zu suchen genöthigt war. Er kehrte zu seinem Heere, welchesvon Türenne bedrängt wurde, zurück und erlitt bei Etampeö eine Nie-derlage. Auf dem Rückzüge begriffen, wurde er von Türenne an denMauern von Paris eingeholt, lieferte demselben aber ein Gefecht, inwelchem er die Vorstadt St. Antoine behauptete und den Gegner zumRückzüge nöthigte. Dieser Sieg entschied eine Pöbelherrschast in Paris,und da man die Ankunft eines spanischen Heeres aus den Niederlanden,bei welchem sich der nach dem weftphälischen Frieden in spanische Diensteübergegangene Herzog von Lothringen befand, erwarten zu müssenglaubte, beruhte die Hoffnung des Hofes auf Türenne und seinem Heere.Nach seinem Nathe wählte man Pontoise zum Aufenthaltsorte, währender selbst eine Stellung bei Compiegne nahm und Mazarin, dessen Ent-